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Arbeiten in Irland: Was anders läuft, bevor Du den Vertrag hast

Als Deutscher, Österreicher oder Schweizer brauchst Du in Irland keine Arbeitserlaubnis. Was Du brauchst, ist ein Lebenslauf, den irische Arbeitgeber lesen, eine Antwort auf ihre Interviewfragen und eine angemeldete Stelle, bevor das erste Gehalt kommt.

Ein junger Mann mit kurzem Bart und dunkler Jacke steht abends in einer Dubliner Einkaufsstraße unter weihnachtlichen Lichterketten und lächelt in die Kamera.

Irland ist für Deutschsprachige einer der leichtesten Arbeitsmärkte Europas, wenn man ihn kennt. Englisch ist die Arbeitssprache, viele internationale Unternehmen haben ihren europäischen Sitz in Dublin oder Cork, und Deutsch ist dort eine gesuchte Zusatzqualifikation. Was Bewerber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trotzdem ausbremst, ist selten die Qualifikation. Es sind die Formen. Der Lebenslauf ist zu lang, das Interview wird wie ein Gespräch geführt statt wie eine Prüfung, und das erste Gehalt kommt mit einem Steuerabzug, der niemandem erklärt wurde.

Diese Seite geht diese drei Punkte der Reihe nach durch und schließt mit dem, was Deine Heimat beim Wechsel wissen will. Was vom Bruttogehalt bleibt, rechnet die Seite Gehalt und Netto vor.

Arbeiten ohne Erlaubnis

Bürgerinnen und Bürger der EU, des EWR und der Schweiz arbeiten in Irland ohne Arbeitserlaubnis und ohne Aufenthaltstitel. Für Deutsche und Österreicher folgt das aus der Freizügigkeit der EU, für Schweizer aus dem Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU, das sie in Irland gleichstellt. Wie das im Einzelnen aussieht und wann das Stamp-System doch in eine Familie kommt, etwa über einen Partner ohne EU- oder Schweizer Pass, steht unter Aufenthaltsrecht und Stamps.

Was Du vom ersten Arbeitstag an brauchst, ist eine PPS-Nummer. An ihr hängen Lohnsteuer, Sozialversicherung und jede staatliche Leistung. Den Antrag stellst Du nach der Ankunft online in MyWelfare, und dafür brauchst Du einen Nachweis Deiner irischen Adresse. Wer anfangs im Hostel oder zur Untermiete ohne eigenen Vertrag wohnt, hat genau damit das erste Problem; ein Schreiben des Arbeitgebers kann hier helfen. Welche Nachweise das Ministerium für Sozialschutz annimmt, steht auf gov.ie.

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Der irische Lebenslauf

Der irische CV hat mit dem deutschen Bewerbungsordner wenig gemeinsam. Er umfasst höchstens zwei Seiten, er beginnt mit einem kurzen Profil, und er erzählt Deine Laufbahn rückwärts, die jüngste Stelle zuerst. Ein Anschreiben ist üblich, aber kurz: drei Absätze, die sagen, warum Du für genau diese Stelle passt.

Was fehlt, fällt Bewerbern aus dem deutschen Sprachraum zuerst auf: kein Foto, kein Geburtsdatum, kein Familienstand, keine Religion, keine Kinder. Das hat einen rechtlichen Hintergrund. Die Employment Equality Acts verbieten Diskriminierung bei Einstellung und Beschäftigung aus neun Gründen, darunter Geschlecht, Familienstand, Elternschaft, Alter, Religion und Herkunft. Ein Arbeitgeber, der diese Angaben gar nicht erst sieht, kann sich nicht vorwerfen lassen, nach ihnen entschieden zu haben. Verboten sind die Angaben im CV nicht; sie sind schlicht unüblich und wirken fremd.

Der zweite Unterschied liegt im Ton. Wo der deutsche Lebenslauf Aufgaben aufzählt („verantwortlich für die Kundenbetreuung“), will der irische Ergebnisse sehen: was Du erreicht hast, möglichst mit einer Zahl. Aus „Betreuung von Großkunden“ wird „grew key account revenue by 18 percent in two years“. Zeugnisse im deutschen Sinn spielen kaum eine Rolle; an ihrer Stelle stehen Referees, zwei frühere Vorgesetzte, die der neue Arbeitgeber anruft. Sprich sie vorher an und sag ihnen, dass ein Anruf auf Englisch kommen kann.

Deutscher Lebenslauf und irischer CV
PunktDeutsch üblichIn Irland üblich
Längezwei bis vier Seiten plus Anlagenhöchstens zwei Seiten
Foto, Geburtsdatum, Familienstandhäufig enthaltenweggelassen
Aufbauoft chronologischjüngste Stelle zuerst, Profil oben
Inhalt je StelleAufgabenErgebnisse, möglichst mit Zahl
NachweiseArbeitszeugnissezwei Referees, die angerufen werden

Quelle: Citizens Information, Equality in the workplace (neun geschützte Merkmale, auch bei der Einstellung); im Übrigen gängige Praxis irischer Arbeitgeber. Stand: Seite bearbeitet am 31. Juli 2023, abgerufen am 6. November 2026.

Das Anschreiben

Das irische Anschreiben, der Cover Letter, ist kürzer und direkter als das deutsche. Es beginnt mit der Stelle, um die es geht, und mit einem Satz, warum Du dafür passt. Der zweite Absatz nennt zwei oder drei Ergebnisse aus Deinem Lebenslauf, die genau zu dieser Stelle führen, und zwar mit Zahlen. Der dritte sagt, wann Du anfangen kannst und dass Du Dich auf ein Gespräch freust. Floskeln über Teamfähigkeit und Belastbarkeit streichst Du; sie stehen in jedem Anschreiben und sagen nichts.

Schreib für jede Stelle ein eigenes Anschreiben. Recruiter lesen Dutzende davon am Tag und erkennen ein Serienschreiben im ersten Satz. Und nenne Deine Sprachen ausdrücklich: Für viele Stellen, die über Personalberatungen laufen, ist Deutsch als Muttersprache der Grund, warum Du überhaupt eingeladen wirst. Wer zusätzlich eine dritte Sprache spricht, schreibt sie dazu, mit einer ehrlichen Einstufung.

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Das Auswahlgespräch

Viele irische Arbeitgeber, der öffentliche Dienst eingeschlossen, führen Auswahlgespräche nach Kompetenzen. Die Fragen klingen harmlos: Erzähl von einer Situation, in der Du einen schwierigen Kunden hattest. Erzähl von einem Projekt, das schiefzulaufen drohte. Gemeint ist jedes Mal dasselbe: ein echtes Beispiel, sauber gegliedert, mit Deinem eigenen Beitrag im Mittelpunkt.

Die Gliederung, die Prüfer erwarten, heißt STAR: Situation (Was war die Lage?), Task (Was war Deine Aufgabe?), Action (Was hast Du getan?), Result (Was kam dabei heraus?). Das Panel bewertet die Antworten oft nach einem festen Schema, und den größten Teil der Punkte gibt es für die Action. Wer frei erzählt, verliert sich in der Situation; wer STAR geübt hat, ist nach zwei Minuten beim Ergebnis.

Bereite Dir vor dem Gespräch fünf oder sechs Beispiele vor, die verschiedene Kompetenzen abdecken: Teamarbeit, Konflikt, Initiative, Fehler und was Du daraus gelernt hast, Arbeit unter Zeitdruck. Ein Probeinterview auf Englisch mit jemandem, der Rückmeldung gibt, bringt mehr als jede Liste. Und rechne damit, dass die letzte Frage Dir gehört: „Do you have any questions for us?“ Eine kluge Frage zum Team oder zu den ersten neunzig Tagen ist dort keine Höflichkeit, sondern Teil der Bewertung.

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Personalberater und LinkedIn

Ein großer Teil der Stellen für Deutschsprachige läuft in Irland über Personalberatungen. Internationale Unternehmen, die Kundendienst, Vertrieb, Finanzen oder technische Teams für den deutschsprachigen Markt aufbauen, beauftragen Agenturen, die gezielt nach Sprachkenntnissen suchen. Bezahlt wird die Agentur in der Regel vom Arbeitgeber, der sie beauftragt.

Die zweite Bühne ist LinkedIn. Irische Recruiter suchen dort aktiv, und ein Profil, das auf Englisch geschrieben ist, Deine Sprachen ausweist und Irland als gewünschten Standort nennt, wird gefunden. Profil und CV sollten dieselbe Geschichte erzählen, mit denselben Zahlen.

Rechne bei Stellen über Agenturen mit einem zweistufigen Verfahren: erst ein Gespräch mit dem Recruiter, der Deine Sprachkenntnisse prüft, oft auch auf Deutsch, dann das eigentliche Auswahlgespräch beim Unternehmen. Halte die Kontakte selbst in der Hand und notiere, welche Agentur Dich bei welchem Unternehmen vorgestellt hat; zwei Agenturen mit demselben Lebenslauf beim selben Arbeitgeber wirken unglücklich.

Lies jedes Angebot genau. Manche Stellen werden als feste Anstellung beim Unternehmen vergeben, andere als befristeter Vertrag, und bei einem Teil der Agenturstellen bist Du zunächst bei der Agentur angestellt, die Dich an das Unternehmen verleiht. Frag nach, wer Dein Arbeitgeber ist, wer Dich bezahlt und was nach dem Ende der ersten Laufzeit passiert. Diese drei Antworten entscheiden darüber, wie sicher die Stelle ist, und sie bestimmen auch, welchen Arbeitgeber Du in Deinem Revenue myAccount einträgst.

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Das erste Gehalt

Bevor Dein Arbeitgeber das erste Gehalt richtig abrechnen kann, braucht er von Revenue eine Revenue Payroll Notification, kurz RPN: die Mitteilung, welche Freibeträge und Steuerbänder für Dich gelten. Die RPN gibt es erst, wenn Deine Stelle bei Revenue angemeldet ist. Fehlt sie, rechnet der Arbeitgeber nach der Emergency Tax ab, der Notsteuer: ohne jeden Freibetrag, mit dem höchsten USC-Satz und nach vier Wochen komplett zum Spitzensatz.

Die Lösung dauert ein paar Minuten. Bei Deiner ersten Stelle in Irland meldest Du sie selbst an, im Revenue myAccount unter Jobs and Pensions, mit Deiner PPS-Nummer und der Registriernummer Deines Arbeitgebers. Danach schickt Revenue die RPN an den Arbeitgeber, und was zu viel abgezogen wurde, kommt mit den folgenden Abrechnungen zurück.

Was der Arbeitgeber abzieht, solange Revenue ihm nichts meldet
LageAbzug
Keine PPS-Nummer beim ArbeitgeberEinkommensteuer 40 Prozent auf alles, kein Freibetrag, USC 8 Prozent
PPS-Nummer da, Stelle bei Revenue noch nicht angemeldet, Woche 1 bis 420 Prozent bis 846,16 Euro in der Woche, darüber 40 Prozent, kein Freibetrag, USC 8 Prozent
dieselbe Lage ab Woche 5Einkommensteuer 40 Prozent auf alles, USC 8 Prozent
Stelle angemeldet, RPN liegt vornormale Abrechnung mit Deinen Freibeträgen

Quelle: Revenue, Emergency tax rules (veröffentlicht 24. Februar 2026) und Emergency basis (9. Januar 2026); Wochenband 2026 = 44.000 Euro geteilt durch 52; Citizens Information, Minimum wage (Seite bearbeitet 9. Oktober 2026). Stand: abgerufen 6. November 2026.

Der Mindestlohn liegt 2026 bei 14,15 Euro je Stunde für Beschäftigte ab zwanzig Jahren; für 2027 ist eine Anhebung auf 14,94 Euro angekündigt, die noch eine Verordnung braucht. Wie Einkommensteuer, USC und PRSI zusammenwirken, steht unter Einkommensteuer, USC und PRSI. Wer mietet, holt sich am Jahresende über den Rent Tax Credit einen Teil der Miete zurück, ebenfalls im myAccount.

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Die Heimatseite

Mit der Arbeit in Irland wechselst Du auch das Sozialversicherungssystem. Die europäische Koordinierung, die Verordnung (EG) Nr. 883/2004, ordnet jeden Erwerbstätigen dem Staat zu, in dem er arbeitet; für die Schweiz gilt sie über das Freizügigkeitsabkommen. Ab dem ersten irischen Arbeitstag zahlst Du also PRSI, und Deine Krankenversicherung zu Hause endet mit diesem Wechsel, nicht mit dem Umzug als solchem. Was das für Rentner und für Familien ohne Erwerbstätigkeit bedeutet, steht unter Krankenversicherung beim Wegzug.

  • Deutschland. Deine Versicherungszeiten in der Rentenversicherung bleiben erhalten und werden mit den irischen zusammengerechnet, wenn es um Ansprüche geht. Wer aus der Arbeitslosigkeit nach Irland geht, um dort Arbeit zu suchen, kann das Arbeitslosengeld unter den Bedingungen von Artikel 64 der Verordnung für eine begrenzte Zeit mitnehmen; das klärst Du vor der Abreise mit der Agentur für Arbeit.
  • Österreich. Dieselbe Koordinierung gilt; die Zeiten bei der Pensionsversicherung bleiben Dir, und für den Export des Arbeitslosengeldes ist das AMS zuständig. Die Abmeldung beim Meldeamt und was steuerlich folgt, steht unter Wegzug aus Österreich.
  • Schweiz. AHV-Zeiten bleiben bestehen, und die Pensionskasse fragt beim Austritt, wohin die Freizügigkeitsleistung geht. Was davon beim Wegzug in einen EU-Staat ausgezahlt werden darf und was nicht, steht unter Schweizer Vorsorge in Irland.

Und steuerlich gilt: Mit dem Umzug und der Arbeit in Irland wirst Du in aller Regel in Irland ansässig. Im Jahr des Wechsels hilft das Split-Year-Treatment, das unter Das Zuzugsjahr erklärt ist.

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Die Reihenfolge

Vor der Abreise: der irische CV, das LinkedIn-Profil, die Referees und fünf geübte STAR-Beispiele. In den ersten Wochen: Adresse, PPS-Nummer, Bankkonto mit irischer IBAN für das Gehalt, und sobald der Vertrag unterschrieben ist, die Stelle im Revenue myAccount. Am Ende des ersten Jahres: die Steuergutschriften, die Dir zustehen.

Wer sich selbständig machen will statt anzustellen, liest zuerst Selbständig in Irland; dort gelten andere Regeln für Steuer und Sozialversicherung.

Lebenslauf, Anschreiben, Probeinterview und den Überblick über Markt und Gehalt bekommst Du zum Festpreis im Jobsuche-Paket Irland, 2.000 €.

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Frag jemanden, der dort lebt und arbeitet

Marc ist mit seiner Frau und fünf Kindern nach Irland gezogen und lebt dort. Im Gespräch geht er Deinen Lebenslauf, Deine Branche und Deine ersten Wochen mit Dir durch.

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