Perspektive Ausland, 25.02.2026
Irischer Pass für Deine Familie
Es gibt einen Grund, warum Familien gerade jetzt über einen zweiten Pass sprechen. Genauer gesagt: vier.
Direkt zum Ablauf:EinbürgerungStaatsbürgerschaft durch AbstammungCommon Travel AreaDoppelte StaatsbürgerschaftKinder

Reden wir zuerst über das, was Dich wirklich umtreibt.
Es ist keine Aufenthaltsvorschrift. Niemand liegt nachts wach wegen einer Bearbeitungsfrist.
Es sind vier Entwicklungen. Ich trage sie nüchtern vor, denn sie brauchen keine Dramatisierung.
Die erste: Die Wehrpflicht kommt zurück. Seit Anfang 2026 erhalten Achtzehnjährige in Deutschland einen Fragebogen. Ab dem 1. Juli 2027 ist die Musterung für den Jahrgang 2008 verpflichtend. Und im Gesetz steht ein Mechanismus, der bei Bedarf zur Pflicht wird. Wenn Dein Sohn 2008 geboren ist, ist das keine abstrakte Debatte mehr. Es ist ein Termin.
Die zweite: das deutsche Passgesetz. Ein Staat, der einen Pass beschränken kann, entscheidet mit, ob Dein Sohn geht.
Die dritte muss ich sauber einordnen, denn hier kursiert viel Unsinn. Manche fürchten eine Besteuerung nach Staatsbürgerschaft. Dazu in aller Klarheit: Die gibt es nicht. In Deutschland nicht. In Österreich nicht. In der Schweiz nicht. Sie ist keine geltende Rechtslage. Sie ist eine Sorge über die Zukunft, und ob sie je mehr wird als das, weiß heute niemand. Aber ich verstehe jeden, der sich die Frage stellt, solange die Antwort offen ist.
Die vierte: die digitale ID. Dass das System kommt, ist absehbar. Was es eines Tages bedeutet, ist Vermutung, und ich werde Dir hier kein Szenario ausmalen.
Vier Sorgen, sehr unterschiedlich im Gewicht. Aber alle vier führen zu derselben, sehr alten Überlegung:
Eine Familie steht sicherer, wenn nicht ihr ganzes Leben an einem einzigen Staat hängt.
Das ist keine Theorie von mir. Beim letzten Irland-Seminar in Cork kamen 15 von 20 Teilnehmern genau deswegen. Nicht wegen der Steuern. Nicht wegen der Immobilienpreise. Wegen des Passes.
Ich habe Deutschland vor 25 Jahren verlassen. Ich schreibe das hier also nicht als Zaungast.
Warum ausgerechnet der irische Pass

Der irische Pass ist so gut wie der deutsche.
Das ist der erste Punkt, und er ist wichtiger, als er klingt. Ein zweiter Pass, der schwächer ist als der erste, ist ein Souvenir.
Der zweite: Irland ist ein Land, das man mag. Kein Empire dahinter, keine Feinde davor.
Der dritte: Irland ist kein NATO-Mitglied. Es ist militärisch bündnisfrei. Für eine Familie, die gerade zum ersten Mal über Musterungstermine nachdenkt, ist das kein Randdetail.
Und der vierte Punkt ist einer, den kein anderer EU-Pass bieten kann.
Irische Staatsbürger genießen aufgrund der Common Travel Area weitreichende Rechte im Vereinigten Königreich, dazu die besonderen Verbindungen zu Isle of Man, Jersey und Guernsey. Ein gewöhnlicher EU-Pass gibt seinem Inhaber seit Brexit nicht mehr automatisch das Recht, nach Großbritannien zu ziehen und dort zu leben. Der irische verbindet beide Räume: die Europäische Union und das Vereinigte Königreich.
Zwei Länder, ein Dokument.
Du weißt heute nicht, welche dieser Türen Dein Kind mit 23 öffnen möchte. Studium in London. Eine Karriere in Dublin. Ein Unternehmen im Vereinigten Königreich. Ein Leben irgendwo in der Europäischen Union. Du kannst nur dafür sorgen, dass möglichst viele davon nicht verschlossen sind.
Und er ist erreichbar

Fünf Jahre. Nach den heute geltenden Regeln kann eine Einbürgerung grundsätzlich nach fünf Jahren Residence möglich werden.
Und diese fünf Jahre sind zugänglicher, als die Zahl vermuten lässt. In den ersten vier Jahren musst Du nicht über jeden Tag Buch führen. Ein Mietvertrag, Bankauszüge mit echten Transaktionen oder eine kleine selbständige Tätigkeit sind Beispiele für die Art von Nachweisen, mit denen sich tatsächliches Leben in Irland dokumentieren lässt.
Das fünfte Jahr ist anders. Im fünften Jahr musst Du wirklich da sein.
Wer mit einem irischen Staatsbürger verheiratet ist, hat einen kürzeren Weg: Hier kann die relevante Residence drei Jahre betragen.
Als EWR- oder Schweizer Staatsbürger brauchst Du dafür keinen irischen Aufenthaltstitel. Kein Golden Visa. Keine fünfjährige Kette von Aufenthaltstiteln. Du lebst in Irland, und diese Residence kann zählen.
Dazu: kein Englischtest, kein Irischtest, kein Geschichtstest. Irland gehört zu den wenigen EU-Staaten, die für die Einbürgerung keine nationale Sprachanforderung kennen.
Und jetzt die Einschränkung, die auf den Tisch gehört: Der Minister besitzt bei der Einbürgerung einen erheblichen Ermessensspielraum. Du hast keinen einklagbaren Anspruch darauf, eingebürgert zu werden, nur weil Deine Uhr fünf Jahre erreicht hat. Wer Dir den irischen Pass als sichere Sache verkauft, verkauft Dir etwas, das es nicht gibt.
Die nüchternen Zahlen: Die Antragsgebühr beträgt 175 Euro, bei erfolgreicher Einbürgerung können weitere bis zu 950 Euro anfallen. Die mediane Bearbeitungszeit lag im März 2026 bei ungefähr acht Monaten, erheblich kürzer als die rund zwei Jahre zuvor. Ein Median ist keine Zusage. Plane realistisch mit sechs bis sieben Jahren von der Ankunft bis zum Pass.
Vielleicht musst Du überhaupt nicht fünf Jahre warten

Vielleicht lautet die wichtigste Frage nämlich nicht, wann Du nach Irland ziehst.
Vielleicht lautet sie: Wo wurde Deine Großmutter geboren?
Wenn Du einen irischen Großelternteil hast, kann die Foreign Births Registration, kurz FBR, der Weg zur irischen Staatsangehörigkeit sein. Keine fünf Jahre Residence. Kein Umzug. Keine Verlagerung Deines Lebensmittelpunkts.
Aber dieser Weg hat eine Falle, und sie ist der Grund, warum ich ihn nicht als nette Zusatzinformation behandle.
Bei der Foreign Births Registration wirst Du nicht rückwirkend seit Deiner Geburt irischer Staatsbürger. Die Staatsangehörigkeit entsteht grundsätzlich mit Deiner Registrierung. Wenn Dein Kind bereits geboren wurde, bevor Du registriert bist, kann es die Staatsangehörigkeit nicht einfach über Deine spätere Registrierung weitervererbt bekommen. Du kannst selbst noch einen Weg zum irischen Pass haben und ihn durch Warten für die nächste Generation verlieren.
Die derzeitige Bearbeitung läuft nach dem zugrunde liegenden Research mit etwa zwölf Monaten. Das Geburtsdatum Deines Kindes wartet nicht auf Deine Entscheidung.
Deshalb würde ich bei jeder Familie zuerst den Stammbaum prüfen. Bevor wir überhaupt über fünf Jahre Residence sprechen.
Was Dein alter Pass dazu sagt

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben unterschiedliche Regeln zur mehrfachen Staatsangehörigkeit.
Für Deutsche ist die Situation seit Juni 2024 deutlich einfacher: Deutschland erlaubt grundsätzlich Mehrstaatigkeit. Die Schweiz erlaubt sie seit 1992.
Österreich ist ein anderer Fall, und ich packe ihn deshalb nie in einen Satz mit den beiden anderen. Wer eine ausländische Staatsangehörigkeit auf Antrag erwirbt, kann die österreichische Staatsbürgerschaft kraft Gesetzes verlieren. Eine Beibehaltungsgenehmigung muss grundsätzlich vorher erteilt worden sein. Und der Verlust kann sich auch auf minderjährige unverheiratete Kinder erstrecken.
Beim irischen Abstammungsweg kommt eine offene Rechtsfrage hinzu, die nicht mit einer Vermutung beantwortet werden darf. Ob und wie die österreichische Verlustbestimmung auf genau diese Konstellation greift, wird nicht auf Verdacht beantwortet. Gerade die Foreign Births Registration muss vor einer Registrierung individuell geprüft werden.
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Schmiede das Eisen, solange es heiß ist

Portugal hat gezeigt, wie so etwas endet. Dort war der Weg fünf Jahre. Dann war er es nicht mehr.
In Irland ist bislang nichts verschärft worden. Aber die Zahl der Einbürgerungen ist stark gestiegen. Die Politik hat begonnen, darüber zu sprechen. Es gibt Stimmen, die aus fünf Jahren zehn machen wollen.
Geändert wurde bislang nichts. Das ist wichtig. Ich sage nicht, dass Irland seine Regeln verschärfen wird. Ich sage etwas viel Einfacheres:
Die Regeln, die Deine Familie heute nutzen kann, sind kein Versprechen für die Zukunft.
Brexit war so ein Datum. Vorher gab es Rechte. Danach galten andere Regeln. Wer seine Position vorher aufgebaut hatte, befand sich in einer anderen Situation als jemand, der danach begann.
Wer heute eine Position aufbauen kann, baut sie heute auf.
Ich würde meine Kinder nicht für einen Pass nach Irland bringen

Ich habe selbst mit meinen Kindern in Irland gelebt. 2014 bin ich mit sechs Kindern nach Lismore im County Waterford gezogen. Meine Kinder gingen dort in die örtlichen Schulen. Sie wurden aufgenommen. Wir lebten in einem alten georgianischen Haus auf dem Land.
Deshalb kann ich Dir ziemlich klar sagen, was ich nicht tun würde: Ich würde meine Kinder nicht fünf Jahre lang irgendwo leben lassen, wo wir nicht sein wollen, nur damit am Ende ein Pass herauskommt. Das wäre eine miserable Familienstrategie. Dafür ist das Wetter zu irisch. Dafür ist der Wohnungsmarkt zu schwierig. Dafür können die Steuern zu hoch sein.
Du solltest nach Irland ziehen, weil die Summe für Deine Familie stimmt. Wenn sie stimmt, wird der Pass zum außergewöhnlichen Bonus dieses Lebens. Dann sind sechs oder sieben Jahre keine Wartezeit.
Es sind sechs oder sieben Jahre Kindheit.
Finde heraus, welche Tür für Deine Familie heute offensteht.

Vielleicht lautet Deine Antwort: fünf Jahre in Irland. Vielleicht: meine Großmutter. Vielleicht bist Du Österreicher, und wir müssen zuerst klären, was Du durch einen Antrag riskieren würdest. Oder vielleicht passt Irland überhaupt nicht zu Deinem Leben.
In der Beratung mit mir schauen wir auf Deine Staatsangehörigkeit, Deine Familiengeschichte, Deine Kinder und darauf, ob der Weg über Residence oder Abstammung für Dich überhaupt sinnvoll ist. Und wenn es einen Weg gibt, weißt Du danach, ob Du ihn jetzt gehen solltest.
Der Ablauf im Einzelnen
Aus dem Podcast
Sebastian im Video
Perspektive Ausland, 16.08.2025