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🍀 Seminar Auswandern nach Irland, 10. bis 13. Januar 2027 in Cork

Wir wollten ein Jahr Auszeit nehmen. Am Ende haben wir ein neues Zuhause gefunden.

Marc Vogler kam mit seiner Frau und vier Kindern für ein Jahr nach Irland. Heute lebt die Familie bei Enniscorthy, zu sechst plus einem hier geborenen Sohn. Das ist seine Geschichte, in seinen Worten.

Porträt von Marc Vogler, Irland-Lotse

Wenn ich heute darüber nachdenke, wie unsere Geschichte in Irland begonnen hat, muss ich manchmal selbst ein bisschen staunen. Eigentlich wollten wir nur eine Auszeit nehmen: ein Jahr lang raus aus dem Alltag, mehr Zeit als Familie, reisen und ein wenig die Welt entdecken. Dass wir dabei in Irland ein neues Zuhause finden würden, war überhaupt nicht der Plan.

Ich bin Marc Vogler, 37 Jahre alt, komme ursprünglich aus dem Wendland in Niedersachsen und lebe heute mit meiner Frau Janine und unseren fünf Kindern im Südosten Irlands. Aber bevor ich von Irland erzähle, muss ich ein Stück zurückgehen. Denn die Entscheidung, unser Leben zu verändern, ist nicht aus spontaner Reiselust entstanden. Sie hat viel mit einer Zeit zu tun, die uns als Familie tief geprägt hat.

Die Zeit, die alles verändert hat

Eine unserer Töchter war an Knochenkrebs erkrankt.

Wenn das eigene Kind eine solche Diagnose bekommt, verändert sich der Blick auf das Leben. Von einem Tag auf den anderen bekommen die Dinge eine andere Bedeutung. Was gestern noch wichtig erschien, rückt ganz weit nach hinten. Berufliche Termine, Pläne, Geld, Karriere: All das wird nebensächlich, wenn man neben seinem Kind sitzt und sich nur wünscht, dass es wieder gesund wird.

Als Vater möchte man in so einer Situation unbedingt etwas tun. Man möchte sein Kind beschützen, ihm die Angst nehmen und die Krankheit am liebsten selbst tragen. Aber das kann man nicht. Man kann nur da sein. Stark sein, auch wenn man sich selbst manchmal überhaupt nicht stark fühlt. Für sie, für die Geschwister, für Janine.

Meine Frau hat diese Zeit besonders viel Kraft gekostet. Unsere Tochter hat die Erkrankung schließlich überstanden, und dafür sind wir bis heute unendlich dankbar. Aber diese Zeit hat etwas mit uns allen gemacht. Sie hat uns daran erinnert, dass wir nicht unendlich viel Zeit haben, und dass wir uns irgendwann fragen müssen, wie wir sie eigentlich verbringen wollen.

Hier die Arbeit, dort die Familie

Auch ich musste mich dieser Frage stellen. Ich hatte damals einen guten Job als Vertriebsleiter, viel Verantwortung, und ich war beruflich erfolgreich. Ich war immer jemand, der gerne plant und umsetzt: Ziele setzen, Lösungen finden, weitermachen. Auch in meiner Freizeit war ich gedanklich oft schon beim nächsten Projekt. Das hat mir lange Freude gemacht.

Aber in mir gab es noch die andere Seite, den Familienvater. Ich liebe es, für meine Frau und meine Kinder da zu sein, Zeit mit ihnen zu verbringen, ihre Fragen zu beantworten, ihnen Wissen und Werte mitzugeben und dabei zuzusehen, wie sie ihre eigene Persönlichkeit entwickeln.

Irgendwann merkte ich, dass ich zwischen diesen beiden Seiten ständig einen Spagat machte. Hier die Arbeit, dort die Familie. Hier das nächste Ziel, dort ein Kind, das eigentlich nur ein bisschen Zeit mit seinem Papa verbringen wollte. Ich hatte zunehmend das Gefühl, mich entscheiden zu müssen, und genau das wollte ich nicht mehr. Ich wollte nicht eines Tages auf mein Leben zurückblicken und feststellen, dass ich beruflich vieles erreicht, aber bei den wichtigen Momenten meiner Kinder zu oft gefehlt hatte.

Also fassten Janine und ich einen Entschluss, der uns damals gleichzeitig mutig und ein bisschen verrückt vorkam: Wir nehmen eine Auszeit. Ein ganzes Jahr.

Ein Jahr Vorbereitung, ein Jahr unterwegs

Einfach war das nicht. Ein Jahr lang haben wir vorbereitet, geplant, gerechnet und organisiert. Wir mussten mit Arbeitgebern sprechen, die Finanzen klären, die Schulen einbeziehen und unsere Familie auf diesen ungewöhnlichen Schritt vorbereiten. Es war unglaublich viel Arbeit. Aber irgendwann war es soweit.

Im Herbst 2024 kamen wir zum ersten Mal nach Irland, eine Woche Kerry, ganz klassisch als Touristen. Wir mochten das Land sofort: die Landschaft, das Meer, die Menschen. Aber ein Zuhause war Irland zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unsere Reise ging weiter.

Danach kamen zwei völlig unterschiedliche Welten. Auf Sansibar fanden wir genau das, wonach man sich nach all der Vorbereitung sehnt: traumhafte Strände, warmes Meer, Schnorcheln, Sonne und vor allem Ruhe. Und dann die USA, ein Roadtrip durch ein Land, das einen mit seiner Größe und seinen Gegensätzen immer wieder überwältigt. Los Angeles, Las Vegas, Texas, Florida und New York, dazwischen endlose Straßen und jeden Tag neue Eindrücke. Laut, groß, spektakulär, und völlig anders als Sansibar.

Und dann schenkte uns diese Reise etwas, mit dem wir nicht gerechnet hatten: Janine wurde schwanger.

Eine Geburt im Ausland

Plötzlich war unsere sorgfältig geplante Auszeit nicht mehr ganz so planbar. Im Frühjahr 2025 mussten wir uns eine Frage stellen, die bei unseren ursprünglichen Überlegungen nie auf dem Zettel gestanden hatte: Brechen wir unser Abenteuer ab, oder wagen wir etwas völlig Neues, eine Geburt im Ausland?

Wir entschieden uns für Irland. Die Nähe zu Deutschland, die EU und vor allem das gute Gefühl, uns auf Englisch verständigen zu können, gaben uns die Sicherheit für diesen Schritt.

Acht Wochen vor dem errechneten Termin kamen wir an, und die Suche nach einem Zuhause begann. Mit einem Neugeborenen wollten wir nicht alle paar Wochen die Ferienwohnung wechseln. Wir wollten irgendwo ankommen, zumindest für eine längere Zeit. Also suchten wir, und suchten, und fanden schließlich etwas in Clonegal. Fünf Tage vor der Geburt unseres Sohnes zogen wir ein.

Heute muss ich darüber lachen. Damals war es eher ein kleiner Krimi: gerade den Mietvertrag unterschrieben, die Sachen ausgepackt, uns in einem neuen Land zurechtgefunden, und gleichzeitig wussten wir, dass unser Sohn praktisch jeden Moment kommen konnte.

Die PPS-Nummer

Eine meiner liebsten Geschichten aus dieser Zeit passierte bei der Geburt. Die Hebamme brauchte für die Geburtsurkunde die PPS-Nummer meiner Frau. Ich erklärte ihr, dass meine Frau aus Deutschland kommt und noch keine hat.

„Kein Problem", sagte sie. „Dann nehmen wir einfach Ihre."

Ich musste ihr erklären, dass ich ebenfalls aus Deutschland komme und natürlich auch noch keine PPS-Nummer hatte. Offenbar sah ich mit meinen roten Haaren und meinem roten Bart so aus, als wäre ich mein ganzes Leben lang Ire gewesen. Ich musste sie leider enttäuschen.

Genau solche Geschichten gehören für mich zu einer Auswanderung dazu. Nicht alles ist perfekt geplant, manchmal läuft es anders als gedacht, und man muss improvisieren. Irgendwann merkt man, dass genau daraus der eigene Alltag entsteht.

Vier Kinder, eine Ansage

Diese ersten Wochen waren auch der Moment, in dem aus unserer Reise langsam ein echtes Leben in Irland wurde. Wir lernten Menschen aus dem Ort kennen, die Kinder durften in die Schule hineinschnuppern, wir gingen einkaufen, spazieren, unterhielten uns mit Nachbarn und bauten uns einen Alltag auf.

Und unsere Kinder kamen erstaunlich schnell an. So schnell, dass sie uns irgendwann um ein Gespräch baten. Unsere vier Großen saßen vor uns und erklärten ziemlich eindeutig, was sie wollten: nicht zurück nach Deutschland. Nicht nur noch ein paar Monate in Irland. Sondern hierbleiben, in diesem Ort, in ihrer neuen Schule.

Das war erst einmal eine große Überraschung, wir hatten ja einen ganz anderen Plan. Aber wir haben ihnen zugehört, darüber gesprochen, nachgedacht und geprüft, was das für unsere Familie bedeuten würde. Und irgendwann war uns klar: Wenn unsere Kinder hier so glücklich sind, wenn sie sich hier zu Hause fühlen und wir selbst spüren, dass sich unser Leben hier gut anfühlt, warum sollten wir eigentlich zurückgehen?

Wir bleiben.

Damit begann der nächste Organisationsmarathon. Wer einmal versucht hat, sein Leben in ein anderes Land zu verlegen, weiß: Die großen Entscheidungen sind nur ein Teil der Geschichte. Die eigentliche Arbeit steckt in den kleinen Dingen. Schule, Behörden, Versicherung, Bank, Dokumente, Auto, Arzt, und manchmal Dinge, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt.

Angekommen

Heute leben wir in der Nähe von Enniscorthy in einem freistehenden Haus mit großem Garten. Unsere Kinder haben hier ihren Alltag gefunden, und Hurling gehört inzwischen ganz selbstverständlich dazu. Es ist ihr Sport: in der Schule, in den Pausen und natürlich nachmittags.

Wenn ich sie dabei beobachte, denke ich manchmal daran, wie weit wir von unserem ursprünglichen Plan entfernt sind. Wir wollten ein Jahr reisen. Jetzt haben unsere Kinder Freunde, eine Schule, einen Sport und ein Leben hier. Sie sind angekommen. Und wir auch.

Was ich an Irland liebe

Natürlich lieben wir die Landschaft und die Nähe zum Meer. Aber noch mehr sind es die Menschen. Der Alltag fühlt sich hier anders an: weniger hektisch, weniger zweckorientiert, ein bisschen menschlicher.

Ich merke das an kleinen Dingen. Beim Spazierengehen kommt man mit völlig Fremden ins Gespräch, ohne bestimmten Grund. Niemand will etwas verkaufen, niemand braucht etwas. Man unterhält sich ein paar Minuten, geht weiter und denkt: Das war schön. Jemand lässt einen an der Kasse vor. Jemand hilft, obwohl man gar nicht gefragt hat. Ein Fremder schenkt einem ein Lächeln oder ein paar freundliche Worte.

Es sind Kleinigkeiten. Aber ich glaube, genau diese Kleinigkeiten verändern einen Menschen, und irgendwann eine ganze Umgebung. Man wird selbst freundlicher, aufmerksamer, und vielleicht auch ein bisschen gelassener.

Was sich bei mir verändert hat

Unsere Auswanderung hat nicht nur unseren Wohnort verändert. Sie hat mich verändert. Ich lebe heute bewusster und gesünder, und ich freue mich wieder mehr auf den nächsten Tag.

Als ich damals meinen Job gekündigt habe, hatte ich einen sehr einfachen Wunsch. Wenn meine Kinder fragen: „Papa, können wir morgen Nachmittag ins Schwimmbad?", dann wollte ich einfach „Ja" sagen können. Nicht erst den Kalender prüfen. Nicht überlegen, welchen Termin ich verschieben muss. Nicht sagen: „Diese Woche ist schwierig." Sondern: „Ja, lass uns gehen."

Heute haben wir fünf Kinder, und gerade mit unserem jüngsten Sohn genieße ich diese Zeit sehr. Ich darf Dinge erleben, für die früher nur ein kleines Fenster zwischen zwei Terminen geblieben wäre. Ich habe mehr Zeit für meine Familie, und damit mehr Zeit für das, was mir wirklich wichtig ist.

Warum ich heute andere Familien begleite

Heute berate ich Menschen, die darüber nachdenken, nach Irland auszuwandern, und ganz besonders Familien liegen mir am Herzen. Denn ich weiß, was hinter diesem Wunsch steckt, und wie groß der Schritt sein kann. Eine Auswanderung ist nicht nur ein neues Land, ein neues Haus und ein neuer Job. Es ist ein Stück weit ein neues Leben.

Und das bringt Fragen mit sich. Wie finde ich ein Haus? Wie funktioniert das mit der Schule? Was muss ich vor der Einreise organisieren? Welche Behördengänge kommen auf mich zu? Wo möchte ich eigentlich leben? Und vor allem: Ist dieser Schritt für unsere Familie wirklich der richtige?

Ich kenne diese Fragen, weil wir sie uns selbst gestellt haben. Wir haben geplant, gezweifelt, organisiert und Entscheidungen getroffen, ohne zu wissen, wie sie unser Leben verändern würden. Wir haben erlebt, wie viel Arbeit eine Auswanderung macht, und wie viel einfacher manches wird, wenn jemand an der Seite ist, der den Weg schon gegangen ist.

Genau deshalb mache ich diese Beratung. Ich möchte nicht nur erklären, welche Formulare man ausfüllen muss. Ich möchte verstehen, warum jemand nach Irland will, was er sich von seinem neuen Leben erhofft, was einer Familie wichtig ist, was sie zurücklässt und wovor sie Respekt hat. Denn hinter jedem Auswanderungswunsch steckt eine persönliche Geschichte. Vielleicht sind es Eltern, die mehr Zeit miteinander verbringen möchten. Vielleicht ist es der Wunsch nach einem anderen Lebensrhythmus. Oder man sitzt abends da und denkt: „So wie bisher möchte ich nicht für immer weitermachen."

Diesen Gedanken kenne ich sehr gut.

Die Schritte geht jede Familie selbst, so wie wir unsere gegangen sind. Ich möchte meine Erfahrung weitergeben, Orientierung geben und helfen, aus dem Wunsch nach einem Leben in Irland einen realistischen, gut vorbereiteten Weg zu machen. Nicht, weil ich glaube, dass Irland für jeden die richtige Antwort ist, sondern weil ich selbst erlebt habe, wie sehr ein neues Umfeld das eigene Leben verändern kann.

Mehr Zeit mit den Menschen, die ich liebe

Ich bin heute unglaublich dankbar, dass wir diesen Weg gegangen sind. Vor allem bin ich dankbar für Janine und unsere Kinder: dafür, dass wir diese Entscheidungen gemeinsam getroffen haben, dass wir uns gegenseitig getragen haben, wenn es schwierig wurde, und dass wir heute noch gemeinsam weitergehen.

Die Erkrankung unserer Tochter hat uns auf schmerzhafte Weise gezeigt, wie kostbar das Leben ist und wie wenig selbstverständlich unsere gemeinsame Zeit. Unsere Auswanderung hat mir gezeigt, was ich mit dieser Zeit machen möchte: mehr davon mit den Menschen, die ich liebe.

Wir wollten eigentlich nur ein Jahr Auszeit nehmen. Am Ende haben wir ein neues Zuhause gefunden. Und ich habe dabei vielleicht etwas gefunden, das noch viel wertvoller ist: ein Leben, zu dem ich heute viel öfter „Ja" sagen kann.

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