ETFs und Fonds
Für eine Familie mit Kapital ist das Depot oft der Posten, der beim Umzug nach Irland am teuersten wird. Nicht wegen der Höhe des Satzes allein, sondern wegen einer Fiktion, die es in Deutschland, Österreich und der Schweiz so nicht gibt.
Die teuerste Sache im Gepäck
Irland behandelt Fonds nicht wie andere Kapitalanlagen. Für Anteile an Investmentfonds, für viele ETFs und für Lebensversicherungen mit Anlagecharakter gilt ein eigenes Regime mit eigenem Satz, eigener Fälligkeit und eigenen Verlustregeln. Wer ein Depot mitbringt, das aus Fondsanteilen besteht, bringt damit die unangenehmste Seite des irischen Steuerrechts mit.
Das ist die Stelle, an der wir Familien am häufigsten bremsen. Die Remittance-Basis ist stark, aber sie ist kein Schutzschild gegen dieses Regime, sobald Erträge nach Irland fliessen oder die Anteile ohnehin irisch belegen sind. Und die Fiktion, um die es gleich geht, wirkt unabhängig davon, ob Du je etwas verkaufst.
38 Prozent, seit 2026
Bis Ende 2025 lag der Satz bei 41 Prozent. Seit dem 1. Jänner 2026 liegt er bei 38 Prozent. Die Änderung ist keine Ankündigung und keine Auslegung, sondern steht im Gesetz: Finance Act 2025 (Nr. 18 von 2025), § 37 ersetzt in §§ 730F, 730J, 730K, 739D, 739E, 747D und 747E TCA 1997 jeweils den alten Satz durch den neuen.
Betroffen sind irische Fonds, Lebensversicherungen und gleichgestellte ausländische Fonds, ETFs ausdrücklich eingeschlossen. Wer im deutschsprachigen Netz eine Zahl von 41 Prozent liest, liest einen Stand von 2025 oder früher.
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Satz seit 1. Jänner 2026 | 38 Prozent |
| Satz bis Ende 2025 | 41 Prozent |
| Rechtsgrundlage | Finance Act 2025 (Nr. 18 von 2025), § 37 |
| Geänderte Vorschriften | §§ 730F, 730J, 730K, 739D, 739E, 747D und 747E TCA 1997 |
| Fiktion | Veräusserung alle 8 Jahre, auch ohne Verkauf |
Zum Vergleich: Auf gewöhnliche Veräusserungsgewinne, etwa aus Einzelaktien, erhebt Irland Capital Gains Tax.
Quelle: Finance Act 2025 (Nr. 18 von 2025), § 37, im Volltext auf irishstatutebook.ie; geänderte Vorschriften des Taxes Consolidation Act 1997. Stand: abgerufen 24. August 2026.
Der Satz auf gewöhnliche Veräusserungsgewinne liegt bei 33 Prozent, mit einer jährlichen Freistellung von 1.270 Euro. Fonds sind also nicht nur anders geregelt, sie sind auch teurer.
Die Fiktion alle acht Jahre
Der eigentliche Unterschied zum Kontinent ist nicht der Satz, sondern die Fälligkeit. Irland unterstellt alle 8 Jahre eine Veräusserung des Fondsanteils, rechnet den Wertzuwachs seit dem letzten Stichtag ab und besteuert ihn. Ob Du verkauft hast, spielt keine Rolle. Ob Du Geld erhalten hast, ebenfalls nicht.
Für eine Familie, die ein Depot als Altersvorsorge hält und gar nicht verkaufen will, ist das ein echter Nachteil. Alle acht Jahre entsteht eine Zahlungspflicht auf einen Gewinn, den niemand realisiert hat, und das Geld dafür muss von irgendwoher kommen. Ausgerechnet der Verkauf, den man vermeiden wollte, wird dadurch wahrscheinlicher.
Der Finance Act 2025 hat den Satz gesenkt und die Fiktion nicht angetastet. Sie besteht unverändert fort.
Kein Verlustausgleich
Die dritte Eigenheit ist die stillste und in schlechten Jahren die bitterste. Verluste aus diesen Anlagen lassen sich nicht mit anderen Gewinnen verrechnen.
Wer mit einem Fonds verliert und mit einem anderen gewinnt, verrechnet in Irland nicht. Der Gewinn wird besteuert, der Verlust verfällt für diese Zwecke. Ein Depot, das über zwei Jahrzehnte unterschiedlich gelaufene Positionen enthält, wird dadurch steuerlich schlechter behandelt, als es die Gesamtrendite nahelegt.
Drei Dinge, ein Name
Im Zusammenhang mit Fonds fällt regelmässig der Begriff Exit Tax, und er richtet mehr Verwirrung an als jeder andere Begriff des irischen Steuerrechts. Er bezeichnet drei verschiedene Mechanismen, die nichts miteinander zu tun haben.
| Träger | Lage | Zusatz |
|---|---|---|
| Natürliche Personen beim Wegzug | keine Wegzugsbesteuerung, keine fiktive Veräußerung des Weltvermögens | Eine Fünfjahresregel gegen Gestaltungen greift für bestimmte Vermögenswerte. |
| Gesellschaften | 12,5 Prozent auf nicht realisierte Wertsteigerungen bei Sitzverlegung oder Übertragung von Wirtschaftsgütern aus Irland heraus | Taxes Consolidation Act 1997, Abschnitte 627 bis 629C, für Ereignisse ab dem 10. Oktober 2018. |
| Fonds und Lebensversicherungen | 38 Prozent seit dem 1. Januar 2026, gesenkt von 41 Prozent | Die fiktive Veräußerung alle acht Jahre besteht fort. Das ist ein echter Nachteil für eine Familie mit Kapital. |
Der Satz für Fonds und Lebensversicherungen ist mit dem Finance Act 2025 (Nr. 18/2025), § 37, auf 38 Prozent gesenkt worden.
Quelle: Revenue zu den Exit-Tax-Bestimmungen; Finance Act 2025 in der Wiedergabe der Budget-2026-Übersichten. Stand: abgerufen 22. August 2026.
Für Dein Depot ist nur die dritte Zeile einschlägig. Die erste Zeile betrifft den Wegzug einer natürlichen Person aus Irland und ist die gute Nachricht dieser Tabelle. Die zweite betrifft Gesellschaften, die ihren Sitz oder Wirtschaftsgüter aus Irland herausbewegen. Wer über die deutsche Wegzugsbesteuerung sprechen will, findet sie an ganz anderer Stelle, nämlich im Fachwissen zu § 6 AStG.
Was vor dem Umzug zu klären ist
Aus diesen drei Eigenschaften folgt eine Aufgabe, die vor dem Umzug erledigt gehört und danach kaum noch.
Erstens gehört das Depot durchgesehen: Welche Positionen sind Fonds im Sinne dieses Regimes, welche sind es nicht? Zwischen einer Einzelaktie und einem thesaurierenden ETF liegen in Irland zwei Welten.
Zweitens gehört geklärt, welcher Wertzuwachs bereits aufgelaufen ist. Wer mit einem seit fünfzehn Jahren laufenden Fonds nach Irland zieht, bringt eine Fiktion mit, deren nächster Stichtag näher liegen kann, als ihm lieb ist.
Drittens gehört die Frage beantwortet, ob eine Umschichtung vor dem Umzug sinnvoll ist. Das ist keine Empfehlung, sondern die Benennung einer Entscheidung: Sie hat im alten Wohnsitzstaat ihre eigenen Folgen, und beide Seiten gehören zusammen betrachtet. Wie das Vermögen aus der Zeit davor sauber bleibt, steht auf der Seite Das Konto vor dem 1. Jänner.
Weiter in Steuern
Der erste Schritt ist ein Gespräch
Ein Depot ist beim Umzug nach Irland kein Nebenpunkt. Wir sehen es uns an, bevor Du Dich festlegst.