Perspektive Ausland, 29.04.2022
Steuern
12,5 Prozent sind eine Zahl, keine Struktur
Was hinter Irlands berühmtestem Steuersatz steckt und warum wir seine Anwendung nicht auf einer Webseite erklären.

Wenn Du unternehmerisch denkst, hast Du die 12,5 Prozent vermutlich vor allem anderen über Irland gewusst. Der Satz ist der Grund, warum halb Silicon Valley eine Dubliner Adresse hat, und er taucht in jedem zweiten Auswanderer-Video als Versprechen auf. Diese Seite erklärt, was die Zahl ist, für wen sie relevant wird, und warum sie auf dieser Site bewusst ohne Bauanleitung steht.
Was die Zahl ist

Die 12,5 Prozent sind der irische Körperschaftsteuersatz auf Unternehmensgewinne aus aktiver Geschäftstätigkeit. Er ist real, er ist seit Jahrzehnten das Rückgrat der irischen Standortpolitik, und er ist einer der Gründe, warum Irland eine so dichte Landschaft internationaler Unternehmen trägt.
Genauso wichtig ist, was die Zahl nicht ist: sie ist kein Steuersatz auf Dich. Dein Gehalt, Deine Dividende, Dein privates Kapital folgen anderen Regeln, und die persönliche irische Einkommensteuer ist hoch, wie die Steuern-Übersicht offen sagt. Die 12,5 Prozent leben auf der Ebene einer Gesellschaft, und zwischen der Gesellschaft und Deinem Familienkonto liegt genau die Strecke, auf der seriöse Planung von Werbeversprechen zu unterscheiden ist.
Was sie für eine Familie ermöglichen kann

Für die Familien, für die diese Site geschrieben ist, wird der Satz in zwei Lagen interessant. Erstens: wer sein Unternehmen mitbringt oder in Irland neu unternehmerisch tätig wird, kann Gewinne in einer irischen Gesellschaft zu 12,5 Prozent thesaurieren, statt sie sich zu hohen persönlichen Sätzen sofort auszuschütten. Zweitens: im Zusammenspiel mit der Non-Dom-Position stellt sich für nicht-irische Tätigkeiten die Frage, welche Einheit wo sitzt und welches Geld überhaupt nach Irland fließt.
Beides sind Möglichkeiten, keine Automatismen. Ob sie in Deinem Fall tragen, hängt an Deiner Tätigkeit, an Substanzfragen, am Zusammenspiel mit dem deutschen, österreichischen oder schweizerischen Steuerrecht vor dem Wegzug und an Details, die sich zwischen zwei Familien mit demselben Vermögen komplett unterscheiden können. Eine Gesellschaft ist kein Steuersatz, und ein Steuersatz ist kein Plan.
Warum hier keine Anleitung steht

An dieser Stelle liest Du auf anderen Seiten üblicherweise ein Strukturdiagramm mit Kästchen und Pfeilen. Hier steht bewusst keines, aus zwei Gründen.
Erstens arbeiten wir in der Kanzlei mit eigenen, erprobten Strukturen für zuziehende Unternehmerfamilien, und deren Mechanik gehört in ein Mandat, nicht auf eine Marketingseite. Was öffentlich als Bauanleitung kursiert, ist regelmäßig veraltet, unvollständig oder schlicht falsch, und im Steuerrecht ist eine halbe Anleitung gefährlicher als keine.
Zweitens wäre jedes Kästchendiagramm eine Antwort auf eine Frage, die noch niemand gestellt hat: nämlich Deine. Die ehrliche Reihenfolge ist umgekehrt: erst Deine Tätigkeit, Dein Vermögen und Dein Zeitplan, dann die Struktur. Genau so läuft das Gespräch: Du beschreibst Deine Lage, und Sebastian sagt Dir, ob und wie die 12,5 Prozent in Deinem Fall eine Rolle spielen, und was sie kosten, bevor sie etwas bringen.
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Der erste Schritt ist ein Gespräch
Eine Stunde, in der Deine Lage sortiert wird und Du weißt, was zu tun ist.