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Das Konto vor dem 1. Jänner

Es gibt einen Tag, nach dem sich Dein Vermögen steuerlich nicht mehr sortieren lässt. Er liegt vor Deinem Umzug, und die meisten Familien erfahren davon erst danach.

Der Stichtag

Die Remittance-Basis besteuert ausländische Einkünfte erst, wenn sie nach Irland gebracht werden. Daraus folgt eine Frage, die jede zuziehende Familie irgendwann stellt: Und das Geld, das ich schon habe?

Die Antwort steht in der Verwaltungsanweisung von Revenue, und sie ist günstiger, als viele erwarten. Mittel, die aus Einkünften stammen, die vor dem 1. Jänner des Jahres, in dem Du in Irland steuerlich ansässig wirst entstanden sind, bleiben einkommensteuerfrei, auch wenn Du sie später nach Irland überweist. In der Beratungssprache heisst dieses Geld clean capital.

Der Stichtag ist damit kein Datum, das Du wählst, sondern eines, das sich aus Deinem Zuzug ergibt. Alles, was davor entstanden ist, gehört auf die eine Seite. Alles, was danach entsteht, auf die andere. Die ganze Kunst besteht darin, dass diese beiden Seiten getrennt bleiben.

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Eine Praxis, kein Gesetz

Ein Hinweis, den wir aus Gründen der Redlichkeit an den Anfang stellen und nicht in eine Fussnote: Diese Behandlung ist eine langjährige Verwaltungspraxis von Revenue, keine gesetzliche Regelung. Revenue schreibt in der eigenen Anweisung sinngemäss, dass die Einkünfte streng genommen steuerbar wären, dass aber für Personen, die erstmals nach Irland ziehen, eine langjährige Praxis besteht, sie nicht zu besteuern.

Eine solche Praxis ist belastbar genug, um darauf zu planen, und sie wird in Irland seit Jahrzehnten angewandt. Sie ist aber etwas anderes als ein Paragraf, und sie steht nicht in einem Gesetz, das man zitieren könnte. Wer Dir das als gesetzliche Steuerfreiheit verkauft, hat die Quelle nicht gelesen.

Was in der Anweisung steht
PunktInhalt
Stichtag1. Jänner des Jahres, in dem Du in Irland steuerlich ansässig wirst
WirkungMittel aus Auslandseinkünften, die vor diesem Stichtag entstanden sind, bleiben auch bei späterer Überweisung nach Irland einkommensteuerfrei.
Rechtsnaturlangjährige Verwaltungspraxis von Revenue, keine gesetzliche Regelung
Reihenfolge aus gemischten KontenAus einem gemischten Konto gilt jede Überweisung so lange als Überweisung von Einkünften, bis die Einkünfte darin aufgebraucht sind.
Angesammelte EinkünfteAngesammelte Einkünfte bleiben Einkünfte, auch nach Jahren und auch nach Umschichtung in eine Anlage.

Quelle: Revenue, Tax and Duty Manual Part 05-01-21A „The Remittance Basis of Assessment" (zuletzt geprüft Mai 2026), Abschnitte 5.3, 5.4, 5.5 und 5.6. Stand: abgerufen 24. August 2026.

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Die Reihenfolge aus dem gemischten Konto

Der teuerste Fehler in diesem Bereich hat einen harmlosen Namen: das gemischte Konto. Wer Altvermögen und neue ausländische Einkünfte auf demselben Konto führt, überweist von dort nicht anteilig, sondern nach einer festen Reihenfolge.

Aus einem gemischten Konto gilt jede Überweisung so lange als Überweisung von Einkünften, bis die Einkünfte darin aufgebraucht sind. Diese Regel ist nicht irisches Sonderrecht, sondern eine alte Regel des angelsächsischen Steuerrechts; Revenue verweist dafür auf die Entscheidung Scottish Provident Institution v Allen, 4 TC 409.

Praktisch heisst das: Auf einem Konto mit 400.000 Euro Altvermögen und 40.000 Euro neuen Zinsen fliessen die ersten 40.000 Euro, die Du nach Irland überweist, steuerlich aus den Zinsen. Erst danach beginnt das Altvermögen. Auf dem Kontoauszug sieht beides identisch aus. Steuerlich ist es das nicht.

Es gibt dazu eine Feinheit, die in der Anweisung ausdrücklich steht und die in die andere Richtung wirkt: Enthält ein Konto auch Arbeitseinkommen, das in Irland ohnehin voll steuerpflichtig ist, darf eine Überweisung zuerst aus diesem Topf gerechnet werden. Was ohnehin besteuert wird, kann kein zweites Mal wehtun.

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Einkünfte bleiben Einkünfte

Die zweite Regel, die Familien überrascht: Angesammelte Einkünfte bleiben Einkünfte, auch nach Jahren und auch nach Umschichtung in eine Anlage.

Wer ausländische Zinsen über Jahre stehen lässt, hat kein Vermögen daraus gemacht, sondern angesammelte Einkünfte. Wer diese Zinsen in Wertpapiere umschichtet und die Wertpapiere später verkauft, um das Geld nach Irland zu holen, überweist steuerlich weiterhin die Zinsen. Revenue stützt das auf Rechtsprechung, die bis in die 1940er-Jahre zurückreicht, und wendet sie unverändert an.

Der Umkehrschluss ist die eigentliche Botschaft dieser Seite. Was vor Deinem Stichtag entstanden ist, bleibt sauber, egal wie lange es liegt und wie oft es umgeschichtet wird. Was danach entsteht, bleibt Einkünfte, egal wie lange es liegt und wie oft es umgeschichtet wird. Entscheidend ist nicht der Weg, sondern der Zeitpunkt der Entstehung.

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Der Umweg über ein Darlehen

Ein Gedanke, auf den fast jeder irgendwann kommt: Wenn die Überweisung von Einkünften das Problem ist, nehme ich im Ausland ein Darlehen auf, bringe das Darlehen nach Irland und tilge es draussen aus meinen Einkünften. Ein Darlehen ist ja keine Einkunft.

Dieser Weg ist in Irland seit 1971 geschlossen. § 72 TCA 1997 erfasst die Tilgung von Auslandsdarlehen aus Auslandseinkünften. Die Vorschrift stammt aus einer Zeit, in der genau dieses Modell verbreitet war, und sie steht bis heute im Gesetz.

Ähnlich funktioniert eine jüngere Vorschrift gegen den Umweg über den Ehepartner: Wer im Ausland aus ausländischen Einkünften Geld an den Ehegatten überträgt oder verleiht, damit dieser es nach Irland bringt, wird seit 2013 so behandelt, als hätte er selbst überwiesen.

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Was daraus für den Umzug folgt

Aus drei Regeln folgt eine Handlung, und sie kostet nichts ausser Aufmerksamkeit im richtigen Moment.

Vor dem Zuzug lässt sich festlegen, welches Konto welches Geld trägt: eines für das Vermögen, das vor Deinem Stichtag entstanden ist, eines für alles, was danach kommt. Aus dem ersten wird Dein irisches Leben bezahlt, das Haus, die Schule, das Auto. Das zweite bleibt draussen. Nach dem Umzug lässt sich die Geschichte eines Kontos nicht mehr rückwirkend sortieren, und niemand kann sie für Dich rekonstruieren.

Der zweite Punkt betrifft die Karten in Deiner Brieftasche. Eine Zahlung in Irland mit einer Karte, die auf ein ausländisches Konto läuft, ist eine Überweisung im Sinne dieser Regeln. Welches Konto hinter welcher Karte liegt, ist deshalb keine Frage der Bequemlichkeit.

Und der dritte: Diese Ordnung ist kein Modell und keine Gestaltung, sondern Buchhaltung vor dem Umzug. Sie hat den seltenen Vorzug, dass sie nur wirkt, wenn sie rechtzeitig geschieht.

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Der erste Schritt ist ein Gespräch

Welches Geld vor Deinem Umzug getrennt gehört, entscheidet sich einmal. Genau dafür ist das Gespräch da.

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