Irland oder England? Aufenthalt, Wohnen und Kosten im ehrlichen Vergleich
Dieselbe Sprache, ein ähnliches Wetter, eine Flugstunde Abstand. Der größte Unterschied zwischen beiden Ländern liegt nicht im Preis, sondern im Aufenthaltsrecht, und danach bei Mieten, Kindergeld und Steuern.

Wer über Irland nachdenkt, denkt fast immer auch über England nach. Dieselbe Sprache, ein ähnliches Wetter, eine Flugstunde Abstand, und auf beiden Inseln leben Menschen, die Dir ähnlich sind. Die Frage, ob Irland oder England besser zu Euch passt, beginnt aber nicht beim Preis. Sie beginnt bei etwas, das viele erst beim Lesen der Visaseiten bemerken: In Irland darfst Du einfach leben, in England brauchst Du dafür ein Visum. Alles Weitere, von der Miete bis zum Kindergeld, kommt danach.
Aufenthalt: Freizügigkeit gegen Visum
Irland ist Mitglied der EU, und für Dich als Bürger Deutschlands oder Österreichs gilt dort die Freizügigkeit. Für Schweizer gilt sie ebenso. Nach der staatlichen Auskunftsstelle Citizens Information brauchst Du als Bürger des EWR oder der Schweiz kein Visum, und Du musst Dich weder bei der Einwanderungsbehörde registrieren noch eine Aufenthaltskarte haben. Drei Monate darfst Du ohne Bedingung bleiben, als Arbeitssuchender sechs. Wer länger bleibt, muss arbeiten, selbständig sein, studieren oder genug Geld und eine umfassende Krankenversicherung für sich und die Familie haben. Für eine Familie mit Kapital ist genau dieser letzte Punkt der Weg.
Eine Einschränkung betrifft gemischte Familien: Ist Dein Partner Bürger eines Landes außerhalb von EU, EWR, Schweiz und Vereinigtem Königreich, muss er laut Citizens Information einen eigenen Aufenthaltsantrag stellen, sich registrieren und eine Irish Residence Permit bekommen, und je nach Staatsangehörigkeit braucht er vorher ein Visum für die Einreise.
Das Vereinigte Königreich ist seit dem Brexit ein anderer Fall. Die Regierung schreibt auf ihrer Seite für Besucher aus der EU und der Schweiz: Für Urlaub und kurze Reisen genügt eine elektronische Reisegenehmigung (ETA), für jeden anderen Zweck prüfst Du, ob Du ein Visum brauchst. Wer zum Arbeiten und Leben kommt, braucht eines. Der häufigste Weg ist das Skilled Worker Visa: Nach den Vorgaben der Regierung brauchst Du ein Jobangebot eines vom Innenministerium zugelassenen Arbeitgebers und ein Gehalt von mindestens 41.700 Pfund im Jahr oder dem höheren Tarif für Deinen Beruf. Ob für Deine Lage überhaupt ein Weg offensteht, zeigt der Visa-Check der Regierung.
Was das kostet, rechnet sich schnell. Die Antragsgebühr liegt bei einem Antrag von außerhalb des Landes bei 819 Pfund je Person für bis zu drei Jahre, und Partner und Kinder zahlen die Gebühr für dieselbe Laufzeit. Dazu kommt der Gesundheitszuschlag (Immigration Health Surcharge): 1.035 Pfund je Erwachsenem und Jahr, 776 Pfund je Jahr für Kinder unter 18. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern und ein Visum über drei Jahre heißt das:
| Posten | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Antragsgebühren | 4 × 819 Pfund | 3.276 Pfund |
| Gesundheitszuschlag Erwachsene | 2 × 1.035 Pfund × 3 Jahre | 6.210 Pfund |
| Gesundheitszuschlag Kinder | 2 × 776 Pfund × 3 Jahre | 4.656 Pfund |
| Summe | 14.142 Pfund, rund 16.900 Euro |
Quelle: GOV.UK, Skilled Worker visa: How much it costs; Immigration Health Surcharge: How much you have to pay; Umrechnung zum EZB-Referenzkurs vom 2. November 2026 (1 Euro = 0,8358 Pfund). Stand: abgerufen 3. November 2026.
Umgerechnet ist zum Referenzkurs der EZB vom 2. November 2026 (1 Euro = 0,8358 Pfund), und zu diesem Kurs stehen auch alle weiteren Euro-Werte neben Pfundbeträgen. In Irland steht an derselben Stelle: null Euro, kein Antrag.
Und es gibt eine Brücke zwischen beiden Inseln. Nach den Regeln der Common Travel Area dürfen britische und irische Staatsbürger frei im jeweils anderen Land leben, arbeiten und studieren. Wer in Irland lebt und später den irischen Pass erwirbt, bekommt das Recht auf England dazu. Was dieser Pass öffnet und für wen, steht auf unserer Seite zur Common Travel Area.
Wohnen: Mieten und Kaufpreise
Beim Wohnen liegen beide Länder näher beieinander, als viele erwarten. Die irische Mietbehörde RTB meldet im Rent Index für das erste Quartal 2026 eine landesweite standardisierte Durchschnittsmiete von 1.839 Euro für neue Mietverträge und 1.513 Euro für bestehende. Das britische Statistikamt ONS nennt für England im September 2026 eine Durchschnittsmiete von 1.466 Pfund, rund 1.754 Euro.
Auch die Richtung ist verschieden. In Irland stiegen die Mieten neuer Verträge im ersten Quartal 2026 laut RTB um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach sieben Quartalen mit 4,7 bis 5,9 Prozent. Die RTB bringt das mit den neuen Mietregeln in Verbindung, die seit dem 1. März 2026 erlauben, die Miete zwischen zwei Mietverhältnissen auf das Marktniveau zu setzen, hält es aber für zu früh, das sicher zu sagen. In England lag der Anstieg nach der ONS bei 4,0 Prozent im Jahr bis September 2026. Wer in Irland eine bestehende Wohnung übernimmt, zahlt also im Schnitt deutlich weniger als ein neuer Mieter, und genau diese Wohnungen kommen selten auf den Markt.
Zwei Einschränkungen gehören zu diesen Zahlen. Die beiden Ämter messen verschieden: Die RTB trennt neue und bestehende Verträge, die ONS mittelt über alle privaten Mietverhältnisse. Und die Zahl sagt nichts darüber, ob Du überhaupt eine Wohnung findest. In Irland ist genau das der Engpass, und zwar landesweit. Was das für eine ankommende Familie heißt, steht auf unserer Seite zum Mieten in Irland.
Beim Kauf zeigt sich das Bild ähnlich. Das irische Statistikamt CSO meldet einen Medianpreis von 400.000 Euro für ein Wohnhaus in den zwölf Monaten bis August 2026, mit einer Spanne von 685.000 Euro in Dún Laoghaire-Rathdown bis 199.000 Euro in Longford. In England lag der Durchschnittspreis im August 2026 laut ONS bei 294.000 Pfund, rund 351.800 Euro. Auch hier gilt: Median und Durchschnitt sind verschiedene Größen, und beide Landeswerte sagen wenig über die Region, in der Ihr sucht. Was ein Familienhaus im irischen Südosten kostet, zeigt unsere Preisseite.
Teuerung und Alltagskosten
Die Preise steigen in Irland derzeit schneller. Der Verbraucherpreisindex des CSO lag im September 2026 4,1 Prozent über dem Vorjahr; am stärksten stiegen Wohnen und Energie mit plus 9,5 Prozent. Im Vereinigten Königreich stieg der Verbraucherpreisindex im selben Monat um 3,5 Prozent.
Wie ein Familienmonat in Irland tatsächlich aussieht, vom Strompreis über das Auto bis zur Kinderbetreuung, rechnen wir auf unserer Seite zu den Lebenshaltungskosten in Irland Posten für Posten durch. Für den Vergleich mit England zählen weniger die Einzelpreise im Supermarkt als die großen Posten: Miete oder Kauf, die Kosten des Aufenthalts und die Steuern.
Einkommen und Familie
Beim Mindestlohn liegt England in Euro gerechnet derzeit vorn. In Irland gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Mindestlohn von 14,15 Euro je Stunde für Beschäftigte ab 20; zum 1. Januar 2027 ist eine Erhöhung auf 14,94 Euro angekündigt, die noch ein Gesetz braucht. Im Vereinigten Königreich liegt der National Living Wage für Beschäftigte ab 21 seit April 2026 bei 12,71 Pfund, rund 15,21 Euro, und steigt im April 2027 auf 13,21 Pfund.
Beim Kindergeld ist Irland großzügiger, sobald mehr als ein Kind da ist. Das irische Child Benefit beträgt 140 Euro im Monat für jedes Kind, ohne Prüfung von Einkommen oder Versicherungszeiten. Das britische Child Benefit zahlt 27,05 Pfund in der Woche für das älteste Kind und 17,90 Pfund für jedes weitere, auf den Monat gerechnet rund 140 Euro und rund 93 Euro. Verdient ein Elternteil über der britischen Einkommensgrenze, wird das Kindergeld über die High Income Child Benefit Charge ganz oder teilweise zurückgeholt. In Irland gibt es eine solche Rückforderung nicht.
Steuern für eine Familie mit Kapital
Für Familien, die Vermögen aus einem Firmen- oder Immobilienverkauf mitbringen, ist das der Abschnitt mit dem größten Unterschied. Die irische Steuerverwaltung beschreibt auf ihrer Seite zum Domizil die Remittance Basis: Wer in Irland steuerlich ansässig, aber nicht dort domiziliert ist, zahlt auf ausländische Einkünfte irische Steuer nur, soweit sie nach Irland gebracht werden. Wie das im Alltag funktioniert und wo die Fallen liegen, steht auf unserer Seite zur Non-Dom-Besteuerung.
Das Vereinigte Königreich hatte ein ähnliches System und hat es abgeschafft. Nach dem Merkblatt HS266 der HMRC gilt seit dem 6. April 2025 keine Remittance Basis mehr. Alle Ansässigen werden auf ihr Welteinkommen besteuert. An ihre Stelle trat das FIG-Regime: Steuerfreiheit für ausländische Einkünfte und Gewinne in den ersten vier Jahren der Ansässigkeit, und das nur nach mindestens zehn aufeinanderfolgenden Steuerjahren ohne Ansässigkeit im Vereinigten Königreich. Danach greift der volle Zugriff.
Für Deine Rechnung heißt das: In England ist der Vorteil befristet, in Irland nicht. Was beim Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz selbst zu beachten ist, gilt für beide Ziele gleich und gehört in die Planung vor dem ersten Umzugskarton.
Gesundheit
Auch beim Arzt ist die Logik verschieden. Im Vereinigten Königreich ist der Gesundheitszuschlag Teil des Visums: Wer ihn zahlt, nutzt den staatlichen Gesundheitsdienst NHS. In Irland zahlst Du keinen Zuschlag, dafür kosten einzelne Leistungen wie der Hausarztbesuch für Erwachsene direkt, und viele Familien schließen eine private Krankenversicherung ab. Wie das irische System aufgebaut ist, steht auf unserer Seite zum Gesundheitssystem in Irland; warum bei der privaten Versicherung eine Frist ab dem Zuzug zählt, erklärt die Seite zu den Versicherungen.
Wofür sich wer entscheidet
Die Antwort hängt weniger an einer Zahl als an Eurer Lage:
- Ihr bringt Kapital mit und braucht keinen Arbeitgeber vor Ort. Dann spricht fast alles für Irland: kein Visum, kein Gesundheitszuschlag, eine Besteuerung ausländischer Einkünfte, die nicht nach vier Jahren endet.
- Einer von Euch hat ein festes Jobangebot über der britischen Gehaltsschwelle. Dann ist England ein realistischer Weg, mit einem höheren Mindestlohn und Mieten in einer ähnlichen Größenordnung, aber mit Visakosten, die Ihr von Anfang an einplanen solltet.
- Ihr wollt Euch England für später offenhalten. Dann ist Irland der Weg dorthin: Mit dem irischen Pass steht Euch das Vereinigte Königreich ohne Visum offen.
- Ihr habt mehrere Kinder. Dann rechnet das Kindergeld mit: 140 Euro je Kind in Irland gegen einen niedrigeren Satz ab dem zweiten Kind in England.
Wer Irland ernsthaft prüft, prüft am Ende eine Region, nicht ein Land. Warum wir den Südosten Irlands für die beste Wahl einer Familie halten, steht dort. Und wenn Du Eure Rechnung mit jemandem durchgehen willst, der den Umzug mit seiner eigenen Familie gemacht hat, buchst Du ein Gespräch mit Marc, unserem Irland-Lotsen.