Familienleistungen in Irland: Was Euch zusteht, und ab wann
Irland zahlt Kindergeld ohne Einkommensprüfung, stellt den Hausarzt für kleine Kinder kostenlos und bezuschusst die Kita. Beim Elterngeld gibt es eine Bedingung, an der zugezogene Familien regelmäßig scheitern: Ohne einen irischen Beitrag zählt die Heimat nicht mit.

Wer mit Kindern nach Irland zieht, kommt in ein System, das auf zwei Säulen steht. Die eine hängt am Wohnsitz: Kindergeld, die Hausarztkarte für kleine Kinder und der Kita-Zuschuss stehen Familien zu, die in Irland leben, unabhängig vom Einkommen und davon, was sie eingezahlt haben. Die andere hängt an Beiträgen: Elterngeld, Mutterschafts- und Vaterschaftsgeld zahlt der Staat nur, wer genug irische Sozialversicherung (PRSI) gezahlt hat.
Diese Seite geht beide der Reihe nach durch. Was Kinderbetreuung in der Region kostet, steht ausführlich unter Kinderbetreuung, wie das Gesundheitssystem als Ganzes funktioniert, unter Gesundheitssystem.
Kindergeld
Das irische Kindergeld heißt Child Benefit und beträgt 140 € im Monat je Kind, steuerfrei und ohne Einkommens- oder Beitragsprüfung. Es wird für Kinder unter 16 gezahlt und bis zum 18. Geburtstag weiter, solange das Kind in Vollzeit zur Schule geht oder eine Ausbildung macht. Für Zwillinge gibt es das Anderthalbfache je Kind, ab Drillingen das Doppelte. Für Geburten und Adoptionen seit dem 1. Dezember 2024 kommt mit der ersten Zahlung ein einmaliger Zuschuss von 280 € je Kind dazu. Budget 2027 lässt den Betrag unverändert.
Voraussetzung ist, dass Ihr in Irland lebt und die Habitual Residence Condition erfüllt, die Prüfung, ob Irland Euer gewöhnlicher Aufenthalt ist. Für Bürger der EU und der Schweiz, die in Irland arbeiten, angestellt oder selbständig, gilt sie als erfüllt. Wer ohne Arbeit in Irland lebt, etwa von Kapital oder Rente, muss sie im Einzelfall belegen: mit Wohnsitz, Dauer, Familie und Plänen.
Für Kinder, die im Ausland geboren sind, also den Normalfall einer zuziehenden Familie, stellt Ihr den Antrag auf dem Formular CB1 und schickt ihn per Post an die Child Benefit Section. Online geht es nur auf Einladung des Ministeriums. Wichtig ist die Frist: Der Antrag gehört innerhalb von 12 Monaten gestellt, nachdem die Familie nach Irland gezogen ist oder ein Elternteil hier zu arbeiten begonnen hat. Jedes Kind braucht dafür eine eigene PPS-Nummer.
| Leistung | Höhe 2026 | Hängt an |
|---|---|---|
| Child Benefit | 140 € im Monat je Kind | Wohnsitz |
| Zuschuss zur Geburt | einmalig 280 € je Kind | Wohnsitz |
| Parent's Benefit | 299 € je Woche, 9 Wochen je Elternteil | irische Beiträge |
| Maternity Benefit | 299 € je Woche, 26 Wochen | irische Beiträge |
| Paternity Benefit | 299 € je Woche, 2 Wochen | irische Beiträge |
| GP Visit Card unter 8 | Hausarzt kostenlos | Wohnsitz |
| Kita-Zuschuss (NCS), universell | 2,14 € je Stunde | Wohnsitz |
Budget 2027 hebt die Wochensätze von Parent's, Maternity und Paternity Benefit ab Januar 2027 auf 309 € an; das Kindergeld bleibt gleich.
Quelle: Citizens Information, Child Benefit (Seite bearbeitet 5. November 2026), Parent's Benefit, Maternity Benefit und Paternity Benefit (je 7. Oktober 2026), Class S PRSI (1. Oktober 2026); Department of Social Protection, PRSI and Family Employment (15. April 2025); Budget 2027. Stand: abgerufen 6. November 2026.
Parent's Benefit
Das irische Gegenstück zum Elterngeld ist bescheidener als das deutsche oder österreichische, aber es gibt es für beide Eltern. Parent's Benefit zahlt 299 € je Woche, ab Januar 2027 309 €, für 9 Wochen je Elternteil. Das gilt für Kinder, die seit dem 1. August 2024 geboren oder adoptiert wurden, und die Wochen müssen in den ersten 2 Lebensjahren des Kindes genommen werden, am Stück oder einzeln. Jeder Elternteil hat seinen eigenen Anspruch, übertragen lässt er sich nicht.
Für Angestellte verlangt das Gesetz eine Mindestzahl an Beitragswochen, etwa 39 bezahlte Wochen in den zwölf Monaten vor der Auszeit. Den Arbeitgeber informierst Du mindestens sechs Wochen vorher, den Antrag auf die Leistung stellst Du mindestens vier Wochen vorher.
Die irische Beitragsbedingung
Hier liegt der Punkt, an dem zugezogene Familien am häufigsten scheitern. Die europäische Koordinierung erlaubt es, Versicherungszeiten aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit den irischen zusammenzurechnen. Irland rechnet sie aber erst an, wenn Du mindestens einen vollen irischen PRSI-Beitrag gezahlt hast. Wer mit zwanzig Jahren deutscher Beitragszeit ankommt und in Irland noch keine Woche versichert gearbeitet hat, bekommt kein Parent's Benefit. Eine einzige versicherte Arbeitswoche in Irland öffnet die Tür; ohne sie bleibt sie zu.
Bei Mutterschafts- und Vaterschaftsgeld ist die Bedingung noch strenger. Wer seine Heimatzeiten anrechnen lassen will, muss zum Zeitpunkt des Antrags in Irland versichert beschäftigt sein, und der letzte Beitrag muss in Irland gezahlt worden sein. Eine Mutter, die vor der Geburt aus Deutschland zieht und in Irland noch nicht arbeitet, hat in Irland also keinen Anspruch auf Maternity Benefit, und ihr deutscher Anspruch hängt dann an den deutschen Regeln, die am Wohnsitz anknüpfen.
Für die Planung heißt das: Wenn ein Kind unterwegs ist oder bald kommen soll, gehört der Zeitpunkt des Umzugs und der ersten irischen Arbeit mit in die Rechnung. Wer das Elterngeld der Heimat noch beziehen will, klärt vorher, ob der Anspruch den Wegzug überdauert.
Selbständige und Ehepartner
Viele Familien, die nach Irland ziehen, leben von einer selbständigen Tätigkeit, oft als Sole Trader, also als Einzelunternehmer ohne Gesellschaft. Für sie gilt eine gute Nachricht: Selbständige Beiträge der Klasse S zählen für Parent's, Maternity und Paternity Benefit. Die Bedingung sind 52 Beiträge der Klasse S in einem der maßgeblichen Jahre, und die Steuer und der Beitrag für dieses Jahr müssen bezahlt sein. Im ersten Jahr der Selbständigkeit ist dieser Nachweis naturgemäß noch nicht zu führen.
Schwieriger wird es, wenn der Ehepartner im Geschäft mitarbeitet. Das irische Recht unterscheidet zwei Fälle, und an dieser Unterscheidung hängt der Anspruch:
- Der Partner hilft im Geschäft mit, ohne angestellt zu sein. Dann zahlt er seit 2014 eigene Beiträge der Klasse S, sobald sein Anteil am Einkommen mindestens 5.000 € im Jahr beträgt, und baut damit eigene Ansprüche auf.
- Der Partner ist beim anderen als Arbeitnehmer angestellt. Dann gilt das als Beschäftigung in der Familie, die von der Sozialversicherung ausgenommen ist. Es werden Nullbeiträge der Klasse M verbucht, und daraus entsteht kein Anspruch auf Elterngeld.
Eine echte Personengesellschaft oder eine Limited zählt nicht als Familienbeschäftigung; dort gelten die normalen Regeln. Wer als Familie mit einem Einzelunternehmen ankommt und ein Kind plant, sollte deshalb früh festlegen, wie der Partner im Geschäft steht, und die Beiträge so führen, dass sie zählen. Wie die Selbständigkeit in Irland steuerlich funktioniert, steht unter Selbständig in Irland.
Mutterschaft und Vaterschaft
Maternity Benefit zahlt 299 € je Woche für 26 Wochen. Mindestens zwei und höchstens sechzehn davon liegen vor dem Ende der Woche, in der das Kind erwartet wird. Danach kann die Mutter sechzehn weitere Wochen unbezahlt freinehmen, mit gutgeschriebenen Beiträgen. Angestellte stellen den Antrag mindestens sechs Wochen vor Beginn, Selbständige mindestens zwölf Wochen vorher, mit einer ärztlichen Bescheinigung.
Paternity Benefit zahlt denselben Wochensatz für 2 Wochen am Stück, zu nehmen innerhalb von 6 Monaten nach Geburt oder Adoption. Für beide Leistungen gelten dieselben Beitragsregeln wie oben, und für beide zählt die Klasse S der Selbständigen.
Hausarzt für Kinder
Alle Kinder unter 8 Jahren, die in Irland leben, bekommen die GP Visit Card, ohne Einkommensprüfung. Damit ist der Hausarzt für sie kostenlos. Ihr beantragt sie bei der HSE mit den PPS-Nummern von Kind und Elternteil, und das Kind muss in Irland leben und mindestens ein Jahr bleiben wollen. Ab dem achten Geburtstag ist die Karte einkommensgeprüft; eine Ausweitung auf ältere Kinder ist derzeit weder in Kraft noch im Budget 2027 angekündigt.
Die Medical Card, die praktisch alle öffentlichen Leistungen kostenlos macht, ist für Familien einkommensgeprüft, und die Grenzen liegen niedrig. Ohne Prüfung bekommt sie unter anderem ein Kind, für das die Familie Domiciliary Care Allowance bezieht, die Leistung für Kinder mit schwerer Behinderung. Die Grenzen im Einzelnen stehen unter Gesundheitssystem.
Kita und Vorschule
Irland hat zwei Programme für kleine Kinder. Das ECCE-Programm stellt die Vorschule kostenlos, drei Stunden am Tag an fünf Tagen in der Woche, über das Schuljahr. Der National Childcare Scheme (NCS) bezuschusst die Kita: universell mit 2,14 € je Stunde und Kind, ohne Einkommensprüfung, und mit höheren Sätzen, wenn das Familieneinkommen unter der Grenze liegt. Ab September 2027 steigt der universelle Satz auf 2,50 €.
Den NCS beantragt Ihr online mit den PPS-Nummern der Kinder. Nach der Bewilligung bekommt Ihr einen CHICK, den Childcare Identifier Code Key, mit dem die Kita Euer Kind anmeldet und den Zuschuss direkt mit dem Staat abrechnet. Was die Betreuung in Wexford, Waterford und Cork vor und nach dem Zuschuss kostet, steht unter Kinderbetreuung.
Die Heimatseite
Familienleistungen koordiniert die Verordnung (EG) Nr. 883/2004, für die Schweiz über das Freizügigkeitsabkommen. Die Grundregel: Zuerst zahlt der Staat, in dem gearbeitet wird; arbeiten die Eltern in zwei Ländern, zahlt das eine vorrangig und das andere gleicht eine Differenz aus. Was das für Euch heißt, hängt davon ab, wer nach dem Umzug wo arbeitet.
- Deutschland. Das deutsche Kindergeld knüpft an Wohnsitz oder unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland an. Zieht die ganze Familie nach Irland und arbeitet niemand mehr in Deutschland, endet es; meldet den Umzug der Familienkasse. Bleibt ein Elternteil in Deutschland beschäftigt, regelt die Koordinierung, welches Land zahlt.
- Österreich. Für die Familienbeihilfe gilt dieselbe Logik: Sie hängt am Lebensmittelpunkt in Österreich oder an einer Beschäftigung dort. Mit dem Wegzug der ganzen Familie geht der Anspruch auf Irland über; meldet die Änderung dem Finanzamt.
- Schweiz. Die Schweizer Kinder- und Ausbildungszulagen hängen an einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz. Wer in Irland lebt und in der Schweiz weiterarbeitet, behält sie unter den Regeln der Koordinierung; wer ganz wechselt, bezieht das irische Kindergeld.
Das Elterngeld der Heimat und das irische Parent's Benefit folgen eigenen Regeln. Wer kurz vor oder nach einer Geburt umzieht, plant beide Seiten gemeinsam, bevor die Kündigung zu Hause unterschrieben ist.
Die Reihenfolge
Alles beginnt mit den PPS-Nummern, für jedes Familienmitglied einzeln, auch für das Baby. Ein Elternteil braucht seine eigene Nummer zuerst, dann beantragt er sie für die Kinder, online in MyWelfare oder auf Papier, und Elternteil und Kind kommen zu einem persönlichen Termin. Danach, in dieser Reihenfolge: das Formular CB1 für das Kindergeld, die GP Visit Card für die Kinder unter acht, der Antrag beim NCS, sobald die Kita feststeht, und die Schulanmeldung, deren Fristen oft ein Jahr im Voraus laufen und unter Schulsystem stehen.
Wann der beste Zeitpunkt im Schuljahr für den Umzug ist und wie die ersten Wochen mit Kindern laufen, steht unter Umzug mit Kindern.
Jeden dieser Anträge, Kind für Kind vorbereitet, bündelt das Familien-Paket Irland, 8.550 €.
Frag einen Vater von fünf Kindern, der dort lebt
Marc ist mit seiner Frau und fünf Kindern nach Irland gezogen und lebt dort. Im Gespräch geht er mit Euch durch, was Eurer Familie zusteht und in welcher Reihenfolge Ihr es beantragt.