Familie
Wie die Schule in Irland aufgebaut ist
Was Dein Kind erwartet, erklärt für Eltern, die das deutsche System im Kopf haben.

Wenn Du mit Kindern über einen Umzug nachdenkst, ist die Schule die Frage, die alles andere überstimmt. Ein Haus lässt sich tauschen, ein Konto lässt sich verlegen. Ein Kind, das in der Schule nicht ankommt, macht jeden anderen Vorteil wertlos.
Die gute Nachricht vorweg: das irische Schulsystem ist für ein deutschsprachiges Kind kein Sprung ins Leere. Es ist gut lesbar, es ist durchgehend kostenfrei an staatlichen Schulen, und es hat mit dem deutschen System mehr gemeinsam, als die andere Sprache vermuten lässt. Aber es ist anders gebaut, an einigen Stellen deutlich, und Du solltest den Aufbau kennen, bevor Du Orte und Häuser anschaust. Denn in einer Region aus Kleinstädten entscheidet die Schule mit über den Ort.
Acht Jahre Grundschule, und sie beginnt früher

Der erste Unterschied steht am Anfang: irische Kinder gehen früher zur Schule und bleiben länger in der Grundschule. Eingeschult wird üblicherweise mit 4 oder 5 Jahren, jeweils im September. Die Grundschule dauert 8 Jahre, beginnt mit zwei Kindergartenklassen im Schulgebäude und endet dort, wo in Deutschland längst die weiterführende Schule läuft:
| Klasse | typisches Alter |
|---|---|
| Junior Infants | 4 bis 5 |
| Senior Infants | 5 bis 6 |
| First Class | 6 bis 7 |
| Second Class | 7 bis 8 |
| Third Class | 8 bis 9 |
| Fourth Class | 9 bis 10 |
| Fifth Class | 10 bis 11 |
| Sixth Class | 11 bis 12 |
Junior und Senior Infants entsprechen ungefähr den letzten beiden Kindergartenjahren, laufen aber bereits als Schuljahre im Schulgebäude.
Quelle: Citizens Information, „Overview of the Irish education system" (Stand 16. März 2026) und „Enrol your child in primary school when you return to Ireland" (Stand 22. August 2025). Stand: abgerufen 23. August 2026.
Eine gesetzliche Pflicht, das Kind mit sechs in ein Schulgebäude zu setzen, gibt es übrigens nicht. Das irische Recht verlangt Bildung vom 6. bis zum 16. Lebensjahr, nicht Schulbesuch. Für die allermeisten Familien ist das ein Detail ohne Folgen, für manche ist es der Kern der Sache: Homeschooling ist in Irland ein Recht, nicht eine Ordnungswidrigkeit.
Junior Cycle, Transition Year, Senior Cycle

Mit 12 oder 13 wechselt Dein Kind auf die weiterführende Schule, die in Irland Secondary School oder Post-Primary School heißt. Und hier kommt der Unterschied, der deutschen Eltern am meisten Umstellung abverlangt: es gibt keine Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Die Schulen unterscheiden sich nach Träger und Profil, aber nicht nach Leistungsstufe: alle Kinder gehen sechs Jahre auf dieselbe Schulform, bis zum selben Abschluss. Die Sortierung nach der vierten Klasse, die in Deutschland ganze Familienjahre bestimmt, findet nicht statt.
Die sechs Jahre gliedern sich in drei Stufen. Zuerst der Junior Cycle, drei Jahre, mit einer Abschlussprüfung am Ende. Er ist seit einer Reform stark auf schulinterne Bewertung gebaut: die sogenannten Classroom-Based Assessments werden von der eigenen Lehrkraft in der eigenen Klasse durchgeführt. Das funktioniert gut, solange ein Kind eine Schule hat; wer ohne Schule lernt, ist von diesen Bewertungen als externer Kandidat faktisch ausgeschlossen, was auf der Homeschooling-Seite eine eigene Rolle spielt.
Dann das Transition Year, ein optionales viertes Jahr ohne Prüfungsdruck, mit Projekten, Praktika und Zeit zum Erwachsenwerden. Es ist an den meisten Schulen verfügbar, die Plätze sind aber oft begrenzt. Für ein zugezogenes Kind kann dieses Jahr ein Geschenk sein: ein Jahr, in dem Ankommen wichtiger sein darf als Zensuren.
Zuletzt der Senior Cycle: zwei Jahre, die auf das Leaving Certificate zulaufen, den irischen Abschluss, über den auch der Weg an die Universität führt. Es gibt ihn in mehreren Varianten, vom klassischen akademischen Programm bis zu berufsnahen Formen, und die Wahl fällt erst spät, nicht mit zehn.
Was anders läuft als zuhause

Vier Dinge fallen deutschen Eltern in den ersten Wochen auf, und keines davon steht in offiziellen Broschüren an erster Stelle.
Die Schuluniform. An den meisten Schulen ist sie selbstverständlich, vom Pullover bis zur Sportkleidung. Deutsche Eltern begegnen ihr mit Skepsis und stellen häufig nach ein paar Monaten fest, dass sie den Morgen vereinfacht und den Markenvergleich auf dem Schulhof beendet.
Der Träger. Die meisten Grundschulen sind staatlich finanziert, aber kirchlich getragen. Was das praktisch bedeutet, und welche Alternativen die Region hat, steht auf der Seite zu den Konfessionsschulen. Es ist die Frage, die fast jede Familie aus Deutschland stellt, und sie verdient eine eigene Antwort.
Das Fach Irisch. Irisch ist reguläres Schulfach von der ersten Klasse an. Für zugezogene Kinder gibt es eine geregelte Befreiung, die auf der Seite zu Englisch als Schulsprache genau beschrieben ist. Ein Kind, das mit zwölf oder später kommt, muss Irisch in aller Regel nicht lernen.
Die Größe. Das ist das ehrliche Zugeständnis dieser Seite: in einer Region aus Kleinstädten sind die Schulen kleiner und die Auswahl ist schmaler als in einer deutschen Großstadt. In einem Ort wie New Ross stehen nicht acht Gymnasien zur Wahl, sondern eine Handvoll Schulen, und nicht jedes Wahlfach und nicht jede Sportart wird überall angeboten. Wer die Auswahl einer Millionenstadt erwartet, wird sie hier nicht finden. Was eine kleine Schule stattdessen kann: jedes Kind ist dort jemand, nicht eine Nummer in einem Jahrgang von zweihundert.
Wie Du Dein Kind anmeldest

Die Anmeldung läuft nicht über ein Amt, sondern direkt über die Schule, und sie ist stärker geregelt, als ihr Ruf vermuten lässt. Seit dem Education (Admission to Schools) Act 2018 muss jede Schule ihre Aufnahmeregeln veröffentlichen, und sie muss sich daran halten.
| Regel | Stand |
|---|---|
| Bewerbungen für das folgende Schuljahr | ab dem 1. Oktober des Vorjahres |
| Antwort der Schule auf eine Bewerbung | schriftlich, binnen 21 Tagen |
| Taufschein als Bewerbungsunterlage | darf nicht verlangt werden |
| Religion als Auswahlkriterium | unzulässig, mit einer engen Ausnahme für Schulen von Minderheitenreligionen |
Ein Einstieg mitten im Schuljahr ist möglich, wenn die Schule Platz hat; außerhalb der Bewerbungsfenster nimmt sie auf, solange Plätze frei sind.
Quelle: Citizens Information, „Choosing a primary school" (Stand 28. Mai 2026) und „Enrol your child in primary school when you return to Ireland" (Stand 22. August 2025). Stand: abgerufen 23. August 2026.
Praktisch heißt das: Du schreibst die Schulen Deines Zielortes direkt an, am besten schriftlich und mit Datum, und fragst nach freien Plätzen. Schulen dürfen Zeugnisse, eine Geburtsurkunde und frühere Schulberichte erbitten. Ein Besuch vor Ort lässt sich fast immer vereinbaren, und er ist der beste Test, den es gibt: Du siehst in einer Stunde mehr als in jedem Prospekt. Wie sich das in einen Umzugsfahrplan fügt, steht unter Umzug mit Kindern.
Was die Schule kostet

Staatliche Schulen sind kostenfrei, von Junior Infants bis zum Leaving Certificate. Seit dem Schuljahr 2025/26 gilt das auch für die Schulbücher: der Staat stellt sie an den Schulen des Free Education Scheme, von der Grundschule bis zum Abschlussjahrgang, mit einer Gesamtinvestition von 170 Millionen Euro im Jahr 2025.
| Posten | Lage |
|---|---|
| Schulgeld | keines |
| Schulbücher | kostenfrei seit 2025/26, in der Grundschule 80 Euro je Kind an die Schule |
| Freiwilliger Elternbeitrag | viele Schulen bitten darum; er ist freiwillig |
| Uniform und Sportkleidung | Elternsache, je nach Schule |
Quelle: Pressemitteilung des Department of Education and Youth vom 10. April 2025 („nearly 1 million students will benefit from free school books"). Stand: abgerufen 23. August 2026.
Was bleibt, sind Uniform, Sportsachen und der freiwillige Elternbeitrag, um den viele Schulen bitten. Und der Schulweg: ab einer gewissen Entfernung gibt es ein staatliches Schulbus-System mit gedeckelten Jahresbeträgen je Familie, beschrieben auf der Seite zu den öffentlichen Verkehrsmitteln.
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