Die Zahl, die alles dreht
Am 24. August hat Daft.ie den Mietbericht für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht. Die wichtigste Zahl darin ist klein: Zwischen März und Juni sind die Marktmieten landesweit um 1,4 Prozent gestiegen.
Klein wird sie erst im Vergleich. Im ersten Quartal waren es 4,4 Prozent gewesen, der höchste Quartalswert, den diese Reihe kennt. 1,4 Prozent liegen dagegen sogar leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Ronan Lyons, der Autor des Berichts und Wirtschaftsprofessor am Trinity College, liest das so: Der Sprung zu Jahresbeginn war eine einmalige Anpassung und nicht der Beginn eines neuen Trends. Und er sagt dazu einen zweiten Satz, der für diese Seite wichtiger ist als der erste: Diese Anpassung sei in den großen Städten weitgehend durch, arbeite sich aber im übrigen Land noch durch.
Was seit dem 1. März gilt
Um zu verstehen, warum eine Anpassung überhaupt stattfand, muss man wissen, was sich zum 1. März 2026 geändert hat. Wir haben das damals ausführlich beschrieben; hier die Kurzfassung, die für den Bericht zählt.
Die Rent Pressure Zones sind abgeschafft. An ihre Stelle ist ein landesweites Mietpreissystem getreten, das für alle privaten Mietverhältnisse und für studentisches Wohnen gilt. In einem laufenden Mietverhältnis darf die Miete einmal im Jahr um zwei Prozent steigen, oder um die Inflationsrate nach dem Verbraucherpreisindex, falls diese niedriger ist.
Und dann gibt es die Stelle, an der die Miete auf das Marktniveau gesetzt werden darf. Für Mietverhältnisse, die ab dem 1. März 2026 begonnen haben, ist das in zwei Fällen erlaubt: wenn ein neues Mietverhältnis beginnt, und auch das nur, wenn der vorherige Mieter freiwillig ausgezogen ist, seine Pflichten verletzt hat oder die Wohnung nicht mehr zu ihm passte; und am Ende eines sechsjährigen Mietzyklus. Für Mietverhältnisse, die vor dem 1. März 2026 begonnen haben, ist die Anhebung auf das Marktniveau gar nicht erlaubt.
| Regel | Inhalt |
|---|---|
| Erhöhung im laufenden Mietverhältnis | einmal im Jahr um 2 Prozent, oder um die Inflation, falls niedriger |
| Anhebung auf Marktniveau, Verträge ab 1. März 2026 | nur bei neuem Mietverhältnis unter engen Bedingungen und am Ende des Sechsjahreszyklus |
| Anhebung auf Marktniveau, Verträge vor 1. März 2026 | nicht erlaubt |
| Ausnahme für neue Wohnungen | Bau ab 10. Juni 2025: Erhöhung nach Inflation, ohne die Zweiprozentgrenze |
| Kündigungsschutz | nach sechs Monaten ununterbrochener Mietzeit |
| Begründungspflicht des Vermieters | Mietfestsetzung mit drei Vergleichsfällen aus dem RTB-Mietregister |
Für Wohnungen von Wohnungsgesellschaften und für Cost-Rental-Wohnungen gelten die Regeln nicht.
Quelle: Residential Tenancies Board, „Rental law changes from 1 March 2026", rtb.ie. Stand: abgerufen 31. August 2026.
Wer diese Regeln nebeneinanderlegt, sieht sofort, warum es im Frühjahr einen Sprung gab. Wenn die Miete im laufenden Vertrag praktisch eingefroren ist und nur beim Wechsel auf Marktniveau darf, dann wandert der Anpassungsdruck vollständig auf den Moment des Wechsels. Genau das ist passiert, und genau das misst der Bericht.
Wo die Anpassung schon durch ist und wo nicht
Die Quartalszahlen des Berichts zeigen das Gefälle deutlicher als jede Jahreszahl.
| Gebiet | Quartalsveränderung |
|---|---|
| Dublin | +0,8 % |
| Die übrigen Städte | +1,1 % |
| Munster | +2,8 % |
| Leinster | +2,9 % |
| Landesweit | +1,4 % |
Quelle: Daft.ie, Irish Rental Report Q2 2026 (Ronan Lyons), veröffentlicht am 24. August 2026, und die Berichterstattung von RTÉ vom selben Tag. Stand: abgerufen 31. August 2026.
In Dublin sind die Mieten im Quartal um 0,8 Prozent gestiegen, in den übrigen Städten um 1,1 Prozent. In Leinster und Munster außerhalb der Städte dagegen um 2,9 beziehungsweise 2,8 Prozent. Das ist die Anpassung beim Wandern. Sie hat in der Hauptstadt zuerst stattgefunden und ist dort vorbei, und sie läuft dort, wo wir Familien hinschicken, noch.
Die Jahreszahlen zeigen dasselbe Bild aus einem anderen Winkel.
| Gebiet | Jahresveränderung |
|---|---|
| Galway Stadt | +13 % |
| Cork Stadt | +12 % |
| Limerick Stadt | +11 % |
| Leinster, Munster, Connacht-Ulster außerhalb der Städte | +9 bis +10 % |
| Dublin | +6,5 % |
| Waterford Stadt | +5,5 % |
Die Werte gelten für neu am Markt angebotene Wohnungen. Wer in einem laufenden Mietverhältnis sitzt, hat laut Bericht im Schnitt etwa 2,5 Prozent mehr gezahlt als im Vorjahr.
Quelle: Daft.ie, Irish Rental Report Q2 2026 (Ronan Lyons), veröffentlicht am 24. August 2026, und die Berichterstattung von RTÉ vom selben Tag. Stand: abgerufen 31. August 2026.
Zwei Zeilen dieser Tabelle gehören zusammengelesen. Cork Stadt liegt mit plus 12 Prozent im Jahr an zweiter Stelle, Waterford Stadt mit plus 5,5 Prozent am unteren Ende, sogar unter Dublin. Beide Städte liegen in unserer Region, und sie entwickeln sich gerade sehr verschieden.
Der Bericht erklärt das nicht ortsscharf, und wir tun es auch nicht. Was sich sagen lässt: Cork ist die zweitgrößte Stadt des Landes mit einem angespannten Markt, Waterford ist kleiner, und der Bericht selbst stellt Waterford ausdrücklich neben Dublin, nicht neben die anderen Städte.
Das Angebot, und warum die gute Nachricht klein bleibt
Anfang August standen landesweit knapp 2.400 Wohnungen zur Miete. Das sind fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und dieser Gesamtwert verdeckt eine Spaltung, die für uns entscheidend ist.
| Gebiet | Angebot | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Landesweit | knapp 2.400 Wohnungen | +5 % |
| Dublin | unter 1.150 Wohnungen | −18 % |
| Der Rest des Landes | die Differenz | +40 % |
| Zum Vergleich: vor der Pandemie | typischerweise über 4.300 Wohnungen |
Quelle: Daft.ie, Irish Rental Report Q2 2026 (Ronan Lyons), veröffentlicht am 24. August 2026, und die Berichterstattung von RTÉ vom selben Tag. Stand: abgerufen 31. August 2026.
Außerhalb Dublins ist das Angebot um 40 Prozent gestiegen, in Dublin um 18 Prozent gefallen. Für eine Familie, die in den Südosten will, ist das die bessere Hälfte der Nachricht.
Nur bleibt sie klein. Vor der Pandemie standen zu jedem Zeitpunkt typischerweise über 4.300 Wohnungen im ganzen Land zur Miete. Knapp 2.400 sind davon gut die Hälfte. Und Lyons ordnet den Anstieg nüchtern ein: Über zwölf Monate gerechnet sei die Zahl der inserierten Wohnungen praktisch unverändert. Was seit März dazugekommen ist, holt die Verzögerung aus dem Frühjahr auf, es ist kein neues Angebot.
Was das für eine zuziehende Familie bedeutet
Diese Site macht seit ihrem ersten Tag ein Argument, das Lesern zuerst wie ein Taschenspielertrick vorkommt: Mieten ist in Irland überall schwer, Kaufen ist außerhalb Dublins überraschend machbar. Der Bericht liefert dazu keine neue These, aber neue Zahlen.
Für Dich heißt das dreierlei.
Erstens: Eine Übergangsmiete im Südosten ist im Moment teurer, als sie es vor einem Jahr war, und sie wird im Zweifel noch etwas teurer. Wenn Du mit einer Zwischenmiete planst, um in Ruhe ein Haus zu suchen, rechne diesen Posten großzügig und nicht nach den Zahlen, die Du im letzten Sommer gelesen hast.
Zweitens: Der Zeitpunkt des Einzugs entscheidet mehr als früher. Wer heute ein Mietverhältnis eingeht, zahlt den Marktpreis nach der Anpassung. Wer darin bleibt, ist danach durch die Zweiprozentgrenze geschützt. Die neue Regel ist gut für Bleibende und hart für Ziehende, und Zuziehende sind per Definition Ziehende.
Drittens, und das ist der eigentliche Punkt: Nichts davon betrifft Dich, wenn Du kaufst. Die Mietkrise ist eine Mietkrise. Sie ist real, sie ist landesweit, und sie endet nicht an der Stadtgrenze von Dublin. Aber sie ist ein Problem des Mietmarktes, und wer mit Kapital kommt und kauft, muss den schwierigsten Teil des irischen Wohnungsmarktes nicht dauerhaft mitspielen.
Was das in der Praxis heißt, welche Zwischenlösungen funktionieren und warum der Mietvertrag für die meisten unserer Leser nur eine Brücke ist, steht auf der Seite Mieten. Wie ein irischer Hauskauf abläuft, steht auf Kaufen.
Und was dieser Bericht nicht sagt
Er sagt nichts über Kaufpreise. Der Mietbericht und der Kaufpreisbericht sind zwei verschiedene Veröffentlichungen, und wir mischen sie nicht. Die Kaufpreise unserer Region stehen auf der Preisseite, mit ihrer eigenen Quelle und ihrem eigenen Stand.
Er sagt auch nichts darüber, wie es weitergeht. Lyons weist selbst darauf hin, dass die Jahreswerte in den kommenden Quartalen vorsichtig zu lesen sind: Die Jahresrate liegt weiter bei knapp acht Prozent, aber vor allem deshalb, weil der Sprung des ersten Quartals noch im Zwölfmonatsfenster steckt. Fällt kein neuer Schock aus, sinkt diese Rate von selbst, ohne dass eine einzige Miete sinkt.
Wer also im nächsten Frühjahr eine Schlagzeile liest, nach der die irische Mietinflation eingebrochen ist, sollte wissen, woher das kommt. Es ist Arithmetik, kein Markt.
Quellen
- Daft.ie, Irish Rental Report Q2 2026, Autor Ronan Lyons, veröffentlicht am 24. August 2026, daft.ie/report.
- RTÉ News, „Rate of monthly rent rises slowed in Q2 - report", 24. August 2026.
- Residential Tenancies Board, „Rental law changes from 1 March 2026", rtb.ie.