Die irischen Zahlen vom 10. September
Das Central Statistics Office hat am 10. September die Verbraucherpreise für August veröffentlicht. Die Preise lagen im Schnitt 3,7 Prozent über dem Vorjahresmonat, nach 3,4 Prozent im Juli. Allein von Juli auf August stiegen sie um 0,7 Prozent, im August des Vorjahres waren es 0,4 Prozent gewesen. Zum Vergleich der Monatssprung in den anderen drei Ländern: plus 0,2 Prozent in Deutschland, plus 0,6 Prozent in Österreich, plus 0,4 Prozent in der Schweiz.
Bemerkenswert ist eine Randnotiz des CSO: Zum zweiten Monat in Folge ist keine der 13 Warengruppen billiger geworden. Vor Juli 2026 hatte es das nach Angaben des Amts in keinem einzigen Monat gegeben, auch nicht in den Jahren der hohen Inflation 2022 und 2023. Die Teuerung ist also breit, aber sie ist nicht gleichmäßig verteilt.
| Warengruppe | Veränderung |
|---|---|
| Verbraucherpreise insgesamt | +3,7 % |
| Wohnen, Wasser, Strom, Gas und Brennstoffe | +8,5 % |
| davon Heizöl | +44,6 % |
| davon Strom | +8,1 % |
| davon private Mieten | +4,0 % |
| davon Hypothekenzinsen | +10,2 % |
| Bildung | +8,9 % |
| Verkehr | +5,4 % |
| Restaurants und Unterkunft | +3,4 % |
| Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke | +0,1 % |
Quelle: Central Statistics Office, Consumer Price Index August 2026, Tabellen 2 und 7, veröffentlicht am 10. September 2026. Stand: 10. September 2026.
Die größten Beiträge zur Jahresrate kamen aus dem Wohnbereich mit 1,31 Prozentpunkten, aus Restaurants und Unterkunft mit 0,68 und aus dem Verkehr mit 0,61 Punkten. Beim Wohnen nennt das CSO vier Treiber: Heizöl, Strom, Mieten und Hypothekenzinsen. Beim Verkehr sind es Diesel und Benzin, Flugtickets und Mietwagen. Ein Liter Diesel kostete im August im Landesdurchschnitt 1,95 Euro, 25 Cent mehr als ein Jahr zuvor.
Die 8,9 Prozent bei der Bildung klingen nach Schulgeld, sind es aber nicht. Das CSO führt sie auf gestiegene Kosten im tertiären Bereich zurück, die seit Oktober 2025 gelten, also auf Hochschulen. Für eine Familie mit Kindern an staatlichen Schulen ist der Posten heute keiner, für eine Familie mit Kindern kurz vor dem Studium schon. Wie das irische Schulsystem aufgebaut ist und was es kostet, steht unter Schulsystem.
Zwei Messungen, zwei Zahlen
Wer irische Inflationszahlen neben deutsche oder österreichische legt, muss eine Eigenheit kennen. Der irische Verbraucherpreisindex enthält die Zinszahlungen für Hypotheken, der europäisch harmonisierte Index enthält sie nicht. Deshalb weist das CSO für August zwei Zahlen aus: 3,7 Prozent nach dem nationalen Index, 3,4 Prozent nach dem harmonisierten.
Für den Vergleich mit Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der harmonisierte Index der richtige, weil alle vier Länder ihn nach derselben Methode berechnen. Und für eine Familie, die ihr Haus in Irland ohne Kredit kauft, ist er auch der ehrlichere, weil die Hypothekenzinsen, die mit 10,2 Prozent kräftig gestiegen sind, in ihrem Haushalt gar nicht vorkommen. Ohne die Hypothekenzinsen lag die irische Teuerung im August bei 3,5 Prozent.
Wer dagegen mit Kredit kauft, spürt genau diesen Posten. Wie irische Banken Käufer ohne irischen Wohnsitz finanzieren, steht im Beitrag zur Finanzierung für Nichtansässige.
Deutschland: 2,9 Prozent, getrieben von Kraftstoffen
Das Statistische Bundesamt hat die deutschen Zahlen ebenfalls am 10. September bestätigt. Der Verbraucherpreisindex lag 2,9 Prozent über dem Vorjahresmonat, der harmonisierte Index ebenso. Im Juli waren es 2,8, im Juni 2,3 Prozent.
Die Präsidentin des Amts, Ruth Brand, fasst den Treiber in einem Satz zusammen: „Auch im August waren gestiegene Energiepreise hauptverantwortlich für die Gesamtteuerung.“ Energie insgesamt war 10,5 Prozent teurer, Kraftstoffe sogar 27,7 Prozent, leichtes Heizöl 49,6 Prozent.
Gleichzeitig wurde Strom in Deutschland billiger, um 5,5 Prozent, Erdgas um 2,9 Prozent. Haushaltsenergie insgesamt kostete deshalb 0,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel blieben mit plus 0,1 Prozent praktisch unverändert, die Nettokaltmieten stiegen um 1,9 Prozent. Ohne Nahrungsmittel und Energie lag die deutsche Teuerung bei 2,4 Prozent.
Österreich: 3,2 Prozent, und billigere Grundnahrungsmittel
Statistik Austria hat am 17. September die endgültigen Augustzahlen veröffentlicht. Der österreichische Verbraucherpreisindex stieg um 3,2 Prozent, der harmonisierte Index um 2,9 Prozent. Im Juli lag die nationale Rate bei 2,8 Prozent.
Auch in Österreich waren Treibstoffe der größte Einzeltreiber, mit plus 26,3 Prozent, dazu Heizöl mit plus 48,1 Prozent. Strom dagegen war 10,7 Prozent billiger als vor einem Jahr, vor allem wegen der seit Jänner 2026 gesenkten Elektrizitätsabgabe und des niedrigeren Erneuerbaren-Förderbeitrags.
Zwei österreichische Besonderheiten fallen im Vergleich auf. Die Mieten stiegen um 4,4 Prozent und damit stärker als in Irland mit 4,0 Prozent bei den privaten Mieten. Und Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke wurden um 0,3 Prozent billiger, weil seit Juli die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent gesenkt ist. Gastronomie verteuerte sich um 4,7 Prozent. Wie unterschiedlich sich das im Alltag anfühlt, zeigen zwei Warenkörbe, die Statistik Austria zusätzlich ausweist: Der tägliche Einkauf war 0,6 Prozent billiger als vor einem Jahr, der wöchentliche Einkauf mit Treibstoff dagegen 4,9 Prozent teurer.
Schweiz: 0,8 Prozent, ein anderes Land
Das Bundesamt für Statistik hat die Schweizer Zahlen schon am 3. September veröffentlicht. Der Landesindex der Konsumentenpreise lag nur 0,8 Prozent über dem Vorjahresmonat, der harmonisierte Index 0,9 Prozent. Die Kerninflation ohne frische und saisonale Produkte, Energie und Treibstoffe betrug 0,4 Prozent.
Auch in der Schweiz stiegen die Energiepreise kräftig: Heizöl war 53,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Diesel 23,3 Prozent, Benzin 15,8 Prozent. Energie und Treibstoffe zusammen legten um 9,2 Prozent zu, sie machen im Schweizer Warenkorb aber nur rund fünf Prozent aus.
Der Rest des Warenkorbs dämpft. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren 1,1 Prozent billiger als im August 2025, Bekleidung 2,3 Prozent. Die Wohnungsmieten stiegen um 1,6 Prozent, gemessen am Mietpreisindex um 1,4 Prozent. Wer aus der Schweiz nach Irland zieht, zieht also von einem Land mit fast stabilen Preisen in eines, in dem die Teuerung viermal so hoch ist, und diese Differenz gehört in die Rechnung.
Vier Länder nebeneinander
| Irland | Deutschland | Österreich | Schweiz | |
|---|---|---|---|---|
| Harmonisierter Index | +3,4 % | +2,9 % | +2,9 % | +0,9 % |
| Nationaler Index | +3,7 % | +2,9 % | +3,2 % | +0,8 % |
| Heizöl | +44,6 % | +49,6 % | +48,1 % | +53,1 % |
| Strom | +8,1 % | −5,5 % | −10,7 % | nicht ausgewiesen |
| Nahrungsmittel | +0,1 % | +0,1 % | −0,3 % | −1,1 % (mit alkoholfreien Getränken) |
| Mieten | +4,0 % (privat) | +1,9 % (netto kalt) | +4,4 % | +1,6 % |
Quelle: CSO (10. September 2026), Destatis (10. September 2026), Statistik Austria (17. September 2026), Bundesamt für Statistik (3. September 2026). Alle Werte: Veränderung August 2026 gegenüber August 2025. Stand: 17. September 2026.
Heizöl ist kein irisches Problem, sondern ein europäisches. In allen vier Ländern ist es zwischen 45 und 53 Prozent teurer geworden. Auch Nahrungsmittel sind überall ungefähr stabil. Der irische Unterschied sitzt an zwei Stellen: beim Strom, der in Deutschland und Österreich durch staatliche Entlastungen billiger wurde und in Irland um 8,1 Prozent stieg, und bei den Wohnkosten, also Mieten und Hypothekenzinsen.
Ein zweiter Blick lohnt auf die Trennung zwischen Waren und Dienstleistungen. In Irland stiegen die Preise für Dienstleistungen um 4,0 Prozent, die für Waren um 3,1 Prozent. In Deutschland lagen Dienstleistungen mit 2,8 Prozent sogar knapp unter den Waren mit 3,0 Prozent, in der Schweiz stiegen Dienstleistungen um 1,0 und Waren um 0,4 Prozent. Statistik Austria nennt für Österreich den Dienstleistungsbereich ausdrücklich den wichtigsten Inflationstreiber.
An der Zapfsäule kommt Irland glimpflicher davon
Ein Posten fällt im Vergleich aus dem Muster, und zwar zugunsten Irlands. Ein Liter Diesel kostete in Irland im August durchschnittlich 1,95 Euro, 25 Cent oder rund 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor; Benzin kostete 1,87 Euro, 15 Cent mehr. So weist es das CSO in seinen Durchschnittspreisen aus.
In den Herkunftsländern ging es an der Zapfsäule deutlich steiler nach oben. In Deutschland verteuerten sich Kraftstoffe insgesamt um 27,7 Prozent. In Österreich stieg Diesel um 32,6 Prozent und Superbenzin um 18,2 Prozent. In der Schweiz war Diesel 23,3 Prozent teurer, Benzin 15,8 Prozent. Wer im ländlichen Südosten auf das Auto angewiesen ist, trägt diese Last in Irland also mit einer niedrigeren Steigerung als zu Hause.
Und noch ein kleiner Posten, der in allen Ländern in dieselbe Richtung zeigt: Butter wurde überall billiger. In Irland kostete ein Pfund 55 Cent weniger als vor einem Jahr, in Deutschland fiel der Butterpreis um 29,9 Prozent, in Österreich um 25,8 Prozent.
Was die Zahlen für eine Familie im Südosten heißen
Für eine Familie mit Kapital, die in den Südosten zieht, übersetzt sich das in drei Sätze.
Wer in Irland in ein bezahltes Haus zieht, hat die beiden stärksten irischen Treiber nicht im Haushalt: keine Miete, keine Hypothekenzinsen. Genau deshalb ist Kaufen außerhalb von Dublin für eine Familie mit Kapital die Antwort auf den irischen Wohnungsmarkt; wie das geht, steht unter Immobilien. Wer übergangsweise mietet, spürt dagegen jeden Prozentpunkt, und wie eng der Mietmarkt ist, zeigt der Daft-Bericht zum zweiten Quartal.
Der Strom ist der Posten, den Du im Budget höher ansetzen solltest als zu Hause, zumindest im Vergleich mit Deutschland und Österreich, wo die Preise im selben Jahr gefallen sind. Und wer mit Öl heizt, zahlt die Heizölpreise, die in allen vier Ländern ähnlich stark gestiegen sind.
Beim Wochenkorb dagegen verändert sich die Lage kaum. Nahrungsmittel sind in Irland im Jahresvergleich so gut wie nicht teurer geworden, genau wie in Deutschland. Österreich und die Schweiz stehen sogar im Minus. Die Frage, ob Irland teuer ist, entscheidet sich deshalb nicht an der Teuerungsrate, sondern am Preisniveau und an der Frage, welche Posten Dein Haushalt überhaupt hat. Welche Posten Irland teurer und welche es billiger machen, zeigt der Beitrag Ist Irland teuer? vom Dezember, als die Rate bei 3,2 Prozent lag, die Posten im Einzelnen mit Quelle und Stand unter Lebenshaltungskosten.
Und je nach Herkunftsland verschiebt sich die Rechnung. Aus Deutschland kommend liegt der Unterschied beim harmonisierten Index bei einem halben Prozentpunkt, und er steckt fast vollständig im Strom und in den Wohnkosten. Aus Österreich ist der Abstand ebenso groß, dafür sind die österreichischen Mieten zuletzt schneller gestiegen als die irischen, und der tägliche Einkauf ist dort durch die Mehrwertsteuersenkung gerade billiger geworden. Aus der Schweiz ist der Sprung am größten, von 0,9 auf 3,4 Prozent, und er trifft ein Budget, das bisher in Franken und in einem Land mit fallenden Lebensmittelpreisen gerechnet wurde.
Eine Teuerung von 3,7 Prozent ist kein Grund, einen Umzug abzusagen, und kein Grund, ihn schönzureden. Sie ist ein Hinweis darauf, wo Du rechnen musst: beim Wohnen, bei der Energie, bei der Finanzierung. Wer diese drei Posten im Griff hat, lebt in Irland mit derselben Teuerung beim Einkauf wie in Deutschland, und mit einem Haus, das ihm gehört.
Quellen
- Central Statistics Office, Consumer Price Index August 2026, veröffentlicht am 10. September 2026, mit den National Average Prices.
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 320: Inflationsrate im August 2026 bei +2,9 %, 10. September 2026.
- Statistik Austria, Inflation in Österreich im August 2026 bei 3,2 %, Pressemitteilung vom 17. September 2026.
- Bundesamt für Statistik, Die Konsumentenpreise sind im August um 0,4% gestiegen, 3. September 2026, und die Medienmitteilung mit den Detailtabellen (PDF).
