Wann das Schuljahr anfängt, und warum es kein Datum gibt
Eine Frage, die in jeder Umzugsplanung auftaucht, hat in Irland eine überraschende Antwort: Es gibt keinen landesweiten ersten Schultag.
Das Bildungsministerium legt in einem Rundschreiben fest, was vereinheitlicht ist: die Weihnachtsferien, die Osterferien und die Ferien im Februar. Für den Beginn gilt eine Regel statt eines Datums. Die Schulen öffnen in der Woche, in die der 1. September fällt, und sie dürfen in der Woche davor öffnen, wenn sie die Mindestzahl an Unterrichtstagen sonst nicht erreichen. Diese Mindestzahl beträgt 182 Tage an Grundschulen und 166 Tage an weiterführenden Schulen.
Praktisch heißt das: Die konkreten Tage stehen im Kalender der einzelnen Schule, nicht im Gesetz. Wer für den Umzug plant, fragt bei der Schule nach und rechnet nicht mit einem Termin aus dem Internet. Wie die Anmeldung selbst abläuft, haben wir früher beschrieben.
Die Bücher stellt die Schule
Und jetzt der Punkt, an dem deutsche, österreichische und Schweizer Eltern zweimal lesen. Schulbücher kosten in Irland nichts.
Das gilt an den staatlich finanzierten Grundschulen und, seit der Ausweitung des Programms, an allen weiterführenden Schulen im Free Education Scheme. Und es gilt nicht nur für die Bücher im engeren Sinn.
| Stufe | Was gestellt wird |
|---|---|
| Grundschule | Schulbücher sowie Arbeitshefte und die üblichen Unterrichtsmaterialien |
| Weiterführende Schule | Lehrbücher, E-Books, Arbeitshefte und die zentralen Unterrichtsmaterialien |
| Dazu an weiterführenden Schulen | Hefte und Blöcke, Schulplaner, Wörterbücher für jede gelernte Sprache, Geometriesatz und Taschenrechner |
Die Schule beschafft die Bücher und gibt sie aus. Eine Kaution wird nicht verlangt. Für zusätzliche Leistungen wie Kopien kann die Schule weiterhin einen Beitrag erbitten.
Quelle: Citizens Information, „Financial help with school" mit dem Primary und dem Post-primary Schoolbooks Scheme. Stand: abgerufen 14. September 2026.
Ein Detail, das den Unterschied zum deutschsprachigen Raum ausmacht: Die Bücher sind geliehen, nicht geschenkt. Die Schule verwaltet einen Bestand und gibt ihn am Jahresanfang aus. Deshalb steht in den Hinweisen der Schulen regelmäßig die Bitte, sorgsam damit umzugehen, damit die Bände im nächsten Jahr wieder benutzt werden können.
Für eine Familie mit drei schulpflichtigen Kindern ist das kein symbolischer Posten. Es ist der Unterschied zwischen einer Liste, die im August abgearbeitet wird, und einem Schuljahr, das ohne Einkauf beginnt. Was sonst noch am Alltag hängt, steht auf der Seite Familie und Schule.
Der andere Weg: zu Hause unterrichten
Irland gehört zu den wenigen Ländern Europas, in denen dieser Satz ohne Einschränkung gilt: Du darfst Deine Kinder zu Hause unterrichten, und zwar als Recht und nicht als Ausnahme.
Die Grundlage steht in der Verfassung. Artikel 42 nennt die Familie den ersten und natürlichen Erzieher des Kindes. Daraus folgt kein rechtsfreier Raum, sondern ein geordnetes Verfahren mit drei Bestandteilen.
Erstens die Registrierung. Wer ein Kind außerhalb einer anerkannten Schule unterrichtet, meldet es beim Alternative Education Assessment and Registration Service, kurz AEARS, einer Stelle der Kinder- und Familienbehörde Tusla. Die Registrierung steht auf § 14 des Education (Welfare) Act 2000.
Zweitens der Kreis derer, die sich registrieren müssen. Der Antrag ist möglich für Kinder von 6 bis 15 Jahren und für Kinder von 16 oder 17, die noch keine drei Jahre weiterführende Schule hinter sich haben. Alle Sorgeberechtigten müssen zustimmen, und für jedes Kind wird ein eigener Antrag gestellt.
Drittens die Prüfung des Angebots. AEARS beurteilt, ob das Kind eine bestimmte Mindestbildung erhält. Was das ist, steht in einer Leitlinie von 2003. Eine Lehrbefähigung brauchst Du nicht, und dem nationalen Lehrplan musst Du nicht folgen.
Wie viele Familien diesen Weg gehen und was aus dem Schulabschluss wird, haben wir im Februar ausführlich behandelt. Dieser Beitrag steht weiter, und die offene Frage darin ist unverändert die wichtigere: nicht die Erlaubnis, sondern der Abschluss.
Und wie sieht es zu Hause aus?
Hier trennt sich Irland von Deutschland, Österreich und der Schweiz, und zwar auf drei verschiedene Arten. Wir stellen die vier Rechtslagen nebeneinander, jede am Gesetzestext geprüft.
| Land | Was gilt | Grundlage |
|---|---|---|
| Irland | Die Verfassung nennt die Familie den ersten und natürlichen Erzieher des Kindes. Unterricht zu Hause ist ein anerkannter Weg. | Artikel 42 der Verfassung; Registrierung nach § 14 Education (Welfare) Act 2000 |
| Deutschland | Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. Die Schulgesetze selbst sind Landesrecht, es gibt also sechzehn davon. | Artikel 7 Absatz 1 Grundgesetz |
| Österreich | Die allgemeine Schulpflicht kann auch durch häuslichen Unterricht erfüllt werden, wenn er dem Schulunterricht mindestens gleichwertig ist. | § 11 Schulpflichtgesetz 1985 |
| Schweiz | Für das Schulwesen sind die Kantone zuständig. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch und untersteht staatlicher Leitung oder Aufsicht. | Artikel 62 Bundesverfassung |
Quelle: Bunreacht na hÉireann; Grundgesetz, gesetze-im-internet.de; Schulpflichtgesetz 1985 in der geltenden Fassung, RIS; Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Fedlex. Stand: alle vier am 14. September 2026 am Gesetzestext geprüft.
In Deutschland steht das gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des Staates. Die Schulgesetze selbst sind aber Landesrecht, und es gibt sechzehn davon. Eine Familie, die über einen Wegzug nachdenkt, klärt ihre Lage deshalb nach dem Recht ihres Bundeslandes und nicht nach einer allgemeinen Aussage über Deutschland.
In Österreich ist die Lage am klarsten geregelt und für viele Leser überraschend. § 11 des Schulpflichtgesetzes 1985 sagt ausdrücklich, dass die allgemeine Schulpflicht auch durch häuslichen Unterricht erfüllt werden kann, sofern dieser dem Unterricht an einer Schule mindestens gleichwertig ist. Dazu gehören zwei Pflichten, die man kennen muss: Die Eltern zeigen die Teilnahme der Bildungsdirektion an, jeweils bis eine Woche nach Ende des vorhergehenden Unterrichtsjahres und mit Angaben zur unterrichtenden Person, zum Ort, zum Lehrplan, zur Schulstufe und zum pädagogischen Konzept. Und der zureichende Erfolg wird jährlich zwischen dem 1. Juni und dem Ende des Unterrichtsjahres durch eine Prüfung an einer Schule nachgewiesen. Dazu kommt ein Reflexionsgespräch über den Leistungsstand nach den Semesterferien.
In der Schweiz sind für das Schulwesen die Kantone zuständig. Das sagt Artikel 62 der Bundesverfassung in seinem ersten Satz. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch und untersteht staatlicher Leitung oder Aufsicht. Ob und unter welchen Bedingungen Privatunterricht möglich ist, entscheidet deshalb der Wohnkanton, und eine Schweizer Familie prüft ihre Lage dort und nicht auf Bundesebene.
Der irische Unterschied liegt weniger im Verfahren als in der Blickrichtung. In Österreich ist der häusliche Unterricht ein Weg, die Schulpflicht zu erfüllen, und er wird jährlich geprüft. In Irland ist das Recht der Eltern der Ausgangspunkt, und der Staat prüft, ob eine Mindestbildung dabei herauskommt. Das ist kein juristischer Haarspalt, sondern der Grund, warum Familien den Unterschied im Umgang mit Behörden spüren.
Was der Schulweg praktisch bedeutet
Ein Punkt, der in keiner Rechtstabelle steht und den Familien nach drei Monaten als den wichtigsten nennen: In Irland gehört die Schule zum Ort. Die Grundschule liegt in der Gemeinde, der Verein hängt an derselben Gemeinde, und über die Kinder kommt die ganze Familie an. Wer im Südosten ein Haus sucht, sucht deshalb nicht nur ein Haus, sondern eine Schule und einen Verein gleich mit.
Für den Unterricht zu Hause gilt dasselbe mit umgekehrtem Vorzeichen. Er löst die Schulfrage, er löst die Anschlussfrage nicht. Familien, die diesen Weg gehen, suchen deshalb früh den Kontakt zu anderen Familien in derselben Lage, und sie tun es dort, wo es andere gibt. Warum der Alltag in Irland an der Gemeinde hängt, steht auf einer eigenen Seite.
Und ein Hinweis zur Sprache, weil er in der Schulfrage regelmäßig untergeht: Der Unterricht an den staatlichen Schulen läuft auf Englisch. Für Kinder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das, dass sie die Sprache nicht als Fach lernen, sondern im Klassenzimmer und auf dem Spielfeld. Was das für den Einstieg bedeutet, steht auf der Sprachseite. Irisch ist Pflichtfach, und von diesem Fach kann ein zugezogenes Kind unter bestimmten Voraussetzungen befreit werden.
Was diese Seite dazu nicht sagt
Wir behaupten nichts über Ergebnisse. Ob ein Kind zu Hause besser lernt als in der Schule, hängt an diesem Kind, an diesen Eltern und an dieser Schule, und wir haben dazu keine Daten, die etwas anderes hergeben.
Wir geben auch keine Anleitung, wie man ein Kind im Herkunftsland aus der Schule bekommt. Diese Frage entscheidet sich nach dem Recht des Ortes, an dem die Familie lebt, und sie gehört zu einem Anwalt und nicht auf eine Website.
Was wir sagen, ist dies: Die Bildungsfrage ist in Irland offener als im deutschsprachigen Raum, und sie ist es auf beiden Wegen. Die staatliche Schule ist kostenfrei, wohnortnah und englischsprachig, und sie stellt die Bücher. Der Unterricht zu Hause ist ein anerkanntes Recht mit einem geordneten Verfahren dahinter. Für viele Familien, die zu uns kommen, ist allein das der Grund für den Umzug. Wie der Weg in Irland im Einzelnen aussieht, steht auf der Homeschooling-Seite.
Quellen
- Department of Education and Youth, Rundschreiben zur Standardisierung des Schuljahres 2026/27, 2027/28 und 2028/29, gov.ie.
- Citizens Information, „Financial help with school" (Primary Schoolbooks Scheme und Post-primary Schoolbooks Scheme).
- Citizens Information, „Teaching your child at home"; Tusla, Alternative Education Assessment and Registration Service.
- Bunreacht na hÉireann, Artikel 42; Education (Welfare) Act 2000, § 14.
- Grundgesetz, Artikel 7 Absatz 1, gesetze-im-internet.de.
- Schulpflichtgesetz 1985, § 11, in der geltenden Fassung, RIS.
- Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Artikel 62, Fedlex.