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Familie und Schule

Schule in Irland: wie die Anmeldung läuft und wann im Schuljahr man am besten kommt

Irische Schulplätze werden nach Einzugsgebiet und Anmeldezeitpunkt vergeben, nicht nach Zuweisung. Wer erst nach dem Umzug fragt, fragt in vielen Orten zu spät, und der Fehler kostet ein Schuljahr.

Ein nasser Schulhof mit aufgemalten Hüpfkastenfeldern, dahinter ein langgestreckter eingeschossiger Schulbau mit Schieferdach und eine kleine Gruppe Kinder in der Ferne.

Wie ein Platz vergeben wird

Jede irische Schule hat eine eigene Aufnahmerichtlinie, die veröffentlicht ist und in der steht, nach welchen Kriterien sie Plätze vergibt, wenn sie mehr Anmeldungen als Plätze hat. Typische Kriterien sind das Einzugsgebiet, Geschwisterkinder an derselben Schule, Kinder ehemaliger Schüler und, bei konfessionell getragenen Schulen, in bestimmten Fällen die Religionszugehörigkeit.

Das Wichtigste daran: Es gibt keine staatliche Zuweisung. Niemand teilt Deinem Kind eine Schule zu, weil Ihr in einer bestimmten Straße wohnt. Du meldest an, und die Schule entscheidet nach ihrer Richtlinie. In Gegenden mit Zuzug sind Grundschulen und weiterführende Schulen regelmäßig voll, und die Wartelisten sind real.

Für weiterführende Schulen wird vielerorts sehr früh angemeldet, in manchen Orten Jahre im Voraus. Für eine zuziehende Familie ist das die unangenehmste Eigenschaft des Systems, und sie ist der Grund, warum die Reihenfolge Deiner Entscheidungen zählt: Erst die Gegend, dann die Schule, dann das Haus. Wer das Haus zuerst kauft und die Schule danach sucht, kann sich in einen Ort setzen, in dem gerade kein Platz frei ist.

Der Aufbau, kurz

Das irische Schulsystem im Überblick
StufeDauerAbschluss
Primary schoolacht Jahre, ab etwa vier bis fünf Jahrenkein Abschluss
Junior Cycledrei JahreJunior Certificate
Transition Yearein Jahr, meist freiwilligkein Abschluss
Senior Cyclezwei JahreLeaving Certificate

Quelle: Department of Education (gov.ie), Citizens Information zum Schulsystem und zur Aufnahme, State Examinations Commission. Stand: 16. März 2026.

Zwei Punkte, die deutschsprachige Eltern regelmäßig überraschen. Erstens beginnt die Grundschule früh, viele Kinder starten mit vier oder fünf. Zweitens gibt es keine Aufteilung nach Leistung im Alter von zehn: Alle Kinder gehen nach der Primary School in dieselbe Art weiterführender Schule, und differenziert wird über Kurse und Niveaustufen innerhalb der Schule.

Ein Hinweis, der für Familien zählt, die über Hausunterricht nachdenken: Der reformierte Junior Cycle enthält Classroom-Based Assessments, also Leistungen, die im Unterricht einer Schule erbracht und dort beurteilt werden. Externe Kandidaten sind davon faktisch ausgeschlossen, weil ihnen die Schule fehlt, in der diese Bewertungen stattfinden. Wer sein Kind zu Hause unterrichtet, plant deshalb auf das Leaving Certificate als externer Kandidat oder auf IGCSE, nicht auf den Junior Cycle. Ausgeschrieben steht das unter Homeschooling.

Das Transition Year zwischen Junior und Senior Cycle ist eine irische Besonderheit ohne Entsprechung im deutschsprachigen Raum: ein Jahr ohne Abschlussprüfung, mit Praktika, Projekten und Ausflügen. Für ein zugezogenes Kind ist es oft das beste Jahr für den Einstieg, weil der Leistungsdruck niedrig und das soziale Ankommen der eigentliche Inhalt ist.

Der Zeitpunkt im Schuljahr

Das Schuljahr beginnt Ende August oder Anfang September und endet Ende Mai oder im Juni. Ein Wechsel mitten im Jahr ist möglich, aber er ist für ein Kind, das gleichzeitig Land, Sprache und Freundeskreis wechselt, die schwerste Variante.

Die beste Konstellation, wenn sie sich einrichten lässt: Ankunft im Sommer, Start mit dem neuen Schuljahr, und zwar in einem Jahrgang, der ohnehin neu zusammengesetzt wird. Das ist der erste Jahrgang der Primary School und der erste Jahrgang der weiterführenden Schule. Wer die Wahl hat, plant den Umzug auf einen dieser beiden Übergänge.

Wer ein Kind kurz vor dem Leaving Certificate hat, sollte besonders sorgfältig rechnen. Die letzten beiden Jahre sind auf ein Prüfungssystem zugeschnitten, das ein Quereinsteiger nicht in wenigen Monaten aufholt. In dieser Lage ist die ehrliche Empfehlung häufig, den Umzug bis nach dem Abschluss zu schieben oder das Kind im Herkunftsland abschließen zu lassen.

Die Sprache, und die Befreiung vom Fach Irisch

Unterrichtssprache ist Englisch, außer an Gaelscoileanna, wo auf Irisch unterrichtet wird. Irisch ist an allen Schulen Pflichtfach, aber davon gibt es Befreiungen, und eine davon ist auf Kinder wie Deine zugeschnitten: Wer erst ab einem bestimmten Alter nach Irland kommt und vorher im Ausland zur Schule gegangen ist, kann von Irisch befreit werden.

Die Befreiung wird von der Schule erteilt, nach den Regeln des Bildungsministeriums, und sie braucht Nachweise über die bisherige Schullaufbahn. Wer sie will, bringt die Zeugnisse der letzten Jahre mit, am besten übersetzt. Die Einzelheiten stehen unter Englisch als Schulsprache.

Zum Englischen selbst: Kinder im Grundschulalter holen die Sprache in der Regel binnen weniger Monate auf, ältere brauchen länger und leiden mehr, weil sie fachlich mitkommen müssen, während sie noch übersetzen. Viele Schulen bieten Sprachförderung an, die Ausstattung ist aber von Schule zu Schule verschieden. Das ist eine der Fragen, die man beim ersten Kontakt mit der Schule stellt.

Was sich gerade in der Oberstufe ändert

Der Senior Cycle wird derzeit umgebaut. Neue Lehrpläne kommen stufenweise; für das Schuljahr 2026/27 sind unter anderem Accounting, Construction Studies, Engineering, English, Geography, Physical Education und die LCVP Link Modules an der Reihe. Die Richtung ist ein höherer Anteil an Projektarbeit neben der schriftlichen Prüfung im Juni.

Für eine zuziehende Familie ist daran zweierlei praktisch. Erstens verschieben sich Fächerkataloge und Prüfungsformate in den kommenden Jahren, ein Zeugnis von 2026 ist also nicht direkt mit einem von 2029 vergleichbar. Zweitens verändert ein höherer Projektanteil die Anforderungen an Sprache: Wer schreiben und präsentieren muss, braucht mehr Englisch als jemand, der Multiple-Choice-Aufgaben löst.

Was Du praktisch tust

Vier Schritte, in dieser Reihenfolge.

Erstens: Liste der Schulen im Zielort erstellen, über das Verzeichnis des Bildungsministeriums. Dort steht auch die Trägerschaft, was für die Frage der Konfessionsschulen zählt.

Zweitens: Aufnahmerichtlinie jeder Schule lesen. Sie ist öffentlich, und sie sagt Dir, ob Du überhaupt eine Chance hast.

Drittens: Anrufen und fragen, ob im gewünschten Jahrgang Plätze frei sind. Eine irische Schulsekretärin gibt darüber in aller Regel bereitwillig Auskunft, und diese eine Frage erspart Dir mehr Fehlplanung als jede Recherche.

Viertens: Erst danach die Wohngegend endgültig festlegen. Wie das Schulsystem im Einzelnen aufgebaut ist und was in unserer Region an Trägerschaften nebeneinandersteht, steht unter Schulsystem; was der Umzug für die Kinder selbst bedeutet, unter Umzug mit Kindern.

Die Trägerschaft, und warum sie eine Frage ist

Über 88 Prozent der irischen Grundschulen stehen in katholischer Trägerschaft. Das heißt nicht, dass dort Religionsunterricht das Programm bestimmt, und es heißt auch nicht, dass Kinder anderer oder ohne Konfession nicht aufgenommen würden. Es heißt, dass der Patron der Schule eine Kirche ist, dass der Schultag eine religiöse Prägung haben kann und dass in bestimmten Jahren Sakramentsvorbereitung Teil des Schuljahres ist.

Daneben stehen zwei Alternativen, die für zuziehende Familien oft die passenderen sind. Educate Together betreibt multidenominationale Schulen, in denen Religion als Unterrichtsgegenstand über mehrere Traditionen vermittelt wird und keine einzelne den Ton angibt. Und die Schulen der Education and Training Boards sind staatlich, koedukativ und multidenominational; für Waterford und Wexford ist das die WWETB, deren Gebiet exakt diese beiden Grafschaften umfasst.

Für die weiterführende Schule ist diese Auswahl in unserer Region gut, für die Grundschule dünner: Nicht jede Kleinstadt hat eine multidenominationale Grundschule. Wer darauf Wert legt, prüft es ortsgenau, bevor er sich auf einen Ort festlegt. Ausgeschrieben steht das unter Konfessionsschulen.

Der Schulweg

Ein praktischer Punkt, der in Irland anders funktioniert als zu Hause. Es gibt ein staatliches Schulbussystem, das vor allem den ländlichen Raum bedient und für das man sich anmelden und in der Regel einen Beitrag zahlen muss. Der Platz ist nicht garantiert: Vergeben wird nach Entfernung und nach der Frage, ob das Kind die nächstgelegene für es geeignete Schule besucht.

Wer sein Kind bewusst auf eine weiter entfernte Schule schickt, etwa weil sie multidenominational ist, kann dadurch den Anspruch auf den Schulbus verlieren und fährt selbst. In einer Region ohne dichten öffentlichen Nahverkehr heißt das zweimal am Tag eine Fahrt, und das ist bei der Wahl des Wohnorts eine ernstzunehmende Größe. Was ohne Auto geht und was nicht, steht unter Öffentliche Verkehrsmittel.

Der Satz, den man sich merken sollte

In Irland gibt es keine Schulzuweisung. Es gibt eine Anmeldung, eine veröffentlichte Aufnahmerichtlinie und einen Platz oder keinen. Diese eine Eigenschaft dreht die übliche Reihenfolge einer Umzugsplanung um: Erst die Schule klären, dann den Ort festlegen, dann das Haus kaufen.

Der Anruf, mit dem man das klärt, dauert fünf Minuten. Der Fehler, den man ohne ihn macht, dauert ein Schuljahr.

Was Du beim ersten Kontakt fragst

Vier Fragen, die eine Schulsekretärin in fünf Minuten beantwortet und die Dir eine Fehlentscheidung ersparen.

Ob im gewünschten Jahrgang für das kommende Schuljahr Plätze frei sind. Ob es eine Warteliste gibt und wie lang sie ist. Ob die Schule Erfahrung mit Kindern hat, die ohne Englisch ankommen, und ob es Sprachförderung gibt. Und ob das Kind auf der Adresse, die Du ins Auge fasst, im Einzugsgebiet läge.

Die letzte Frage ist die wichtigste, und sie ist der Grund, warum dieser Anruf vor dem Hauskauf kommt und nicht danach.

Quellen

  • Department of Education, Senior Cycle Redevelopment und Verzeichnis der Schulen, gov.ie.
  • Citizens Information, Aufnahme an Schulen, Aufnahmerichtlinien und Schulsystem, citizensinformation.ie.
  • Department of Education, Regeln zur Befreiung vom Fach Irisch.
  • State Examinations Commission, Junior Certificate und Leaving Certificate, examinations.ie.

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