Die Bilanz
| Größe | Wert |
|---|---|
| Landesmittel der Temperatur | 6,58 °C |
| Abweichung vom Mittel 1961 bis 1990 | +1,21 °C |
| Abweichung vom Mittel 1991 bis 2020 | +0,58 °C |
| Rang seit 1900 | 20. mildester Winter |
| Niederschlag im Landesmittel | 428,2 mm, 113 % des Mittels 1991 bis 2020 |
| Rang beim Niederschlag | 17. nassester Winter |
Quelle: Met Éireann, Climate Statement for Winter 2025/2026 (Vergleichsperioden 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020). Stand: 23. März 2026.
Mild und nass, also das, was ein irischer Winter im Regelfall ist, nur etwas mehr davon. Der zwanzigste mildeste Winter seit 1900 in einer Reihe, die inzwischen deutlich nach oben zeigt, ist keine Auffälligkeit.
Die Auffälligkeit steckt in der Verteilung. Verantwortlich war ein nach Süden verschobener Jetstream und eine Folge langsam ziehender Tiefdruckgebiete. Die Midlands, der Süden und der Osten bekamen deutlich mehr Regen als üblich, der Nordwesten weniger. Damit standen die gewohnten Verhältnisse auf dem Kopf: Normalerweise ist der Westen die nasse Seite der Insel und unsere Küste die trockene.
Zwei benannte Stürme fielen in den Winter: Bram am 9. Dezember, der zugleich den höchsten Temperaturwert der Saison brachte, 17,2 Grad im Phoenix Park in Dublin, und Chandra am 27. Januar mit verbreitet starkem Regen und Sturmböen.
Was das für die Klimaaussage dieser Seite bedeutet
Diese Seite argumentiert damit, dass der Südosten die trockenste Ecke Irlands ist. Das steht auf Normalperioden, nicht auf Jahreswerten: Rosslare rund 880 Millimeter im Jahr, Wexford Stadt 993, Waterford Stadt 1.008, gegen ein Landesmittel von rund 1.288 Millimetern. Diese Reihen stehen, und sie sind mit dem Winter 2025/26 nicht widerlegt.
Was der Winter zeigt, ist etwas anderes, und es ist eine ehrliche Einschränkung: Der Vorsprung des Südostens ist ein statistischer, kein garantierter. Er beschreibt, wie sich dreißig Jahre im Mittel verhalten, nicht, wie sich der Winter verhält, in dem Du gerade einziehst. Ein Jahr kann kippen, und 2025 ist es gekippt: Johnstown Castle bei Wexford verzeichnete das zweitnasseste Jahr seiner Stationsgeschichte.
Wer eine Kaufentscheidung auf das Wetter stützt, stützt sie auf eine Wahrscheinlichkeit. Wer sie auf Küste, Fähre, Preisniveau und Schulen stützt und das Wetter als Zugabe nimmt, entscheidet auf festerem Grund. Das ist die Reihenfolge, die auch die Region begründet, und sie steht unter Der Südosten.
Was ein nasser Winter praktisch bedeutet
Nicht Kälte, sondern Feuchtigkeit ist die Größe, die im irischen Winter Geld kostet und Nerven. Drei Punkte, die aus dieser Bilanz folgen.
Feuchtigkeit im Haus. Irische Bestandshäuser, besonders solche mit massiven Außenwänden ohne Hohlschicht, nehmen bei anhaltendem Regen Feuchtigkeit auf. Sichtbar wird das an Schimmel in Ecken, an kalten Innenwänden und an einem Geruch, den man nach einer Woche Regen kennt. Die Gegenmittel sind Lüften, Heizen und eine funktionierende Entwässerung rund um das Haus, und alle drei kosten Geld.
Die Entwässerung selbst. Verstopfte Dachrinnen, ein zugewachsener Graben an der Grundstücksgrenze oder ein Gefälle, das zum Haus hin läuft, sind bei 428 Millimetern in drei Monaten keine Kleinigkeit. Beim Survey vor dem Kauf gehört das ausdrücklich auf die Liste, und nach dem Kauf einmal im Herbst in den Kalender.
Überflutungsrisiko. Irland hat eine öffentlich einsehbare Kartierung von Hochwasserrisiken. Wer ein Haus in Flussnähe oder in einer Senke kauft, sieht dort nach, bevor er ein Angebot macht, und er fragt seinen Solicitor, ob eine Versicherung gegen Überflutung für diese Adresse überhaupt zu bekommen ist. In Irland ist das keine theoretische Frage: Für bestimmte Lagen bieten Versicherer den Schutz schlicht nicht an.
Und die gute Seite
Damit das Bild vollständig ist. Ein irischer Winter mit einem Landesmittel von 6,58 Grad hat kaum Frost, kaum Schnee, keine Winterreifenpflicht, keine gesperrten Pässe und keine Wochen unter null. Wer aus einem Alpental oder aus Ostdeutschland kommt, tauscht Kälte gegen Nässe, und ob das ein guter Tausch ist, hängt an der Person.
Was messbar besser ist: Die Heizperiode ist milder, die Vegetation bleibt grün, Gärten wachsen fast durchgehend, und die Tage sind im Dezember etwas länger als in Wien oder Zürich, weil Irland weiter westlich liegt und die Sonne später untergeht. Was messbar schlechter ist: Die dunkle, feuchte, windige Phase zieht sich von Oktober bis in den März.
Die Zahlen der Region, mit Station und Periode, stehen unter Klima. Wir führen dort die Messreihen und nicht das Jahresgefühl, und wir melden es hier, wenn eine Reihe sich bewegt.
Wie es weitergeht
Die nächste belastbare Bilanz ist die für den Frühling, die Anfang Juni erscheint. Interessant wird sie deshalb, weil der Frühling 2025 der wärmste und sonnigste der ganzen Messreihe war. Zwei Rekordfrühlinge hintereinander wären ein Muster; ein durchschnittlicher Frühling nach einem nassen Winter wäre schlicht ein normales irisches Jahr. Beides berichten wir, ohne uns vorher für eines zu entscheiden.
Heizen in einem irischen Haus
Weil ein nasser Winter vor allem eine Heizfrage ist, hier der nüchterne Blick auf den Bestand. Irische Häuser sind im europäischen Vergleich schlecht gedämmt, und zwar aus einem historischen Grund: In einem Klima ohne strengen Frost war Dämmung lange kein Thema, und die Bauvorschriften wurden erst spät verschärft.
Der Energieausweis, das Building Energy Rating, ist beim Verkauf verpflichtend und reicht von A bis G. Ein Bestandshaus aus den siebziger oder achtziger Jahren landet ohne Sanierung häufig bei E oder F. Was das im Winter bedeutet, merkt man nicht an der Temperatur, sondern an der Rechnung und an der Feuchtigkeit.
Geheizt wird in Irland häufig mit Öl, in Städten mit Gas, zunehmend mit Wärmepumpen, und fast überall steht zusätzlich ein Ofen im Wohnzimmer. Diese zweite Wärmequelle ist keine Nostalgie: Bei einem Stromausfall im Sturm ist sie die einzige, die noch läuft. Für die energetische Sanierung gibt es ein staatliches Förderprogramm, das Dämmung, Fenster und Heizungstausch unterstützt und das man vor Beginn der Arbeiten beantragen muss.
Was ein milder, nasser Winter draußen bedeutet
Zwei Dinge, die aus der Bilanz folgen und die man erst vor Ort versteht.
Der Garten wächst durch. Bei einem Landesmittel von 6,58 Grad friert kaum etwas ab. Rasen wird im Februar gemäht, Hecken treiben früh, und wer aus einem Land mit echtem Winter kommt, unterschätzt regelmäßig, wie viel Gartenarbeit ein irisches Grundstück das ganze Jahr über macht. Das ist ein Vorteil, wenn man gerne draußen ist, und eine Verpflichtung, wenn man ein großes Grundstück kauft.
Der Boden bleibt nass. Bei 113 Prozent des mittleren Niederschlags in drei Monaten stehen Wiesen und Wege über Wochen unter Wasser. Wer Tiere hält, kennt das Problem; wer Kinder hat, kennt es an den Stiefeln. Praktisch heißt das: befestigte Wege rund ums Haus, ein Platz für nasse Kleidung im Eingang, und beim Hauskauf ein Blick darauf, ob das Gelände vom Haus wegfällt oder darauf zu.
Was Du daraus mitnimmst
Der Südosten ist im Mittel die trockenste Ecke Irlands, und der Winter 2025/26 war eine Ausnahme, die in die andere Richtung ging. Beides gehört nebeneinander, und wer nur eines davon liest, hat entweder eine Broschüre oder eine Warnung, aber kein Bild.
Praktisch folgt daraus wenig Dramatisches: ein Haus mit ordentlichem Dach und funktionierender Entwässerung, eine zweite Wärmequelle, ein Blick in die Hochwasserkarte vor dem Angebot und die Bereitschaft, im Winter Regenzeug zu tragen. Wer das mitbringt, für den ist ein irischer Winter unangenehm und harmlos zugleich. Wer auf Sonne gerechnet hat, wird enttäuscht, und zwar unabhängig davon, welchen Teil der Insel er gewählt hat.
Ein Wort zur Statistik selbst
Weil auf dieser Seite viel mit Klimazahlen argumentiert wird, gehört der Hinweis dazu, wie man sie liest. Eine Normalperiode umfasst dreißig Jahre, und die aktuell gültige ist 1991 bis 2020. Ein Vergleich mit der älteren Periode 1961 bis 1990 zeigt größere Abweichungen, weil sich das Klima in der Zwischenzeit erwärmt hat. Beide Zahlen sind richtig, und sie sagen Verschiedenes.
Dasselbe gilt für Stationswerte. Rosslare, Johnstown Castle und Cork Airport messen an drei verschiedenen Orten mit verschiedenen Reihen, und die Station Rosslare wurde 2008 geschlossen. Deshalb nennen wir zu jeder Zahl die Station und die Periode, statt so zu tun, als gäbe es einen einzigen Wert für die ganze Region. Wer Zahlen ohne diese Angaben liest, liest eine Behauptung.
Und eine Erwartung für den Sommer, die wir hier festhalten, damit sie überprüfbar bleibt: Nach einem nassen Winter ist ein trockener Sommer weder wahrscheinlicher noch unwahrscheinlicher. Das irische Wetter kennt kein Gedächtnis dieser Art. Wer im Juli auf Ausgleich hofft, hofft auf ein Muster, das die Messreihen nicht hergeben.
Zum Schluss die Zahl, die aus all dem hängen bleibt: 113 Prozent des mittleren Niederschlags in drei Monaten, und davon der größere Teil im Süden und Osten. Das ist keine Katastrophe und kein Grund, eine Region abzuschreiben. Es ist der Beleg dafür, dass ein Mittelwert eine Aussage über dreißig Jahre ist und nicht über den Winter, in dem Du gerade Kisten auspackst.
Quellen
- Met Éireann, Climate Statement for Winter 2025/2026, met.ie.
- Met Éireann, Annual Climate Statement for 2025, veröffentlicht am 6. Januar 2026, met.ie.
- Met Éireann, 1-km-Rasterdatensatz Niederschlag 1991 bis 2020 (IE_RR_9120_V2).
- Office of Public Works, nationale Hochwasserrisikokartierung, floodinfo.ie.
