Leben
Das Klima der Region, in Zahlen
Über das irische Wetter kursieren mehr Witze als Messwerte. Hier stehen die Messwerte, und zwar die der Region: Der Südosten ist die trockenste und sonnigste Ecke der Insel, und mild ist er außerdem.

Die Zahlen der Region

Vorweg zur Ehrlichkeit der Datenlage: Die Messstation Rosslare, die Referenz der Südostküste, wurde 2008 geschlossen; ihre letzte vollständige Normalperiode ist 1978 bis 2007. Für die Gegenwart tragen Johnstown Castle bei Wexford und Cork Airport die Reihen weiter. Wir nennen zu jeder Zahl ihre Station und Periode, statt so zu tun, als gäbe es einen einzigen Wert für die ganze Region.
| Größe | Rosslare (1978 bis 2007) | Cork Airport (1991 bis 2020) |
|---|---|---|
| Jahresmitteltemperatur | 10,6 °C | 10 °C |
| Tageshöchstwert Juli | 18,3 °C | 18,6 °C |
| Tagestiefstwert Januar | 4,2 °C | 3,2 °C |
| Sonne je Tag im Jahresmittel | 4,3 Std. | 4 Std. |
| Niederschlag im Jahr | 905,5 mm | 1.239 mm |
| Regentage im Jahr | 175 | 218 |
| Frosttage im Jahr | 4,8 | 14,5 |
Cork Airport liegt auf rund 150 m Höhe; die Küste Ost-Corks ist milder als die Flughafenwerte. Johnstown Castle bei Wexford: 10,3 °C und 1.062,7 mm im Langzeitmittel der Station.
Quelle: Met Éireann, Stationsnormalen (Rosslare 1978-2007; Cork Airport 1991-2020; Johnstown Castle Langzeitmittel der Station). Stand: abgerufen 23. August 2026.
Der Sommer

Der irische Sommer ist mild, nicht heiß, und wer das als Mangel liest, war noch nie im Juli hier. An der Südostküste liegt der Tageshöchstwert im Juli bei 18,3 und im August bei 18,5 Grad; der höchste je in Rosslare gemessene Wert war 26,2 Grad. Hitzewellen, tropische Nächte und Klimaanlagen kommen in diesem Sommer nicht vor. Für Kinder heißt das: Der Strand ist von Mai bis September ein Nachmittagsprogramm, kein Fernreiseziel.
Wenn Du nach dem Wetter im August fragst, weil der Umzug in die Sommerferien fällt: Rechne mit 18,5 Grad am Tag, frischen Abenden und einzelnen Regentagen dazwischen. Ein Umzugstag im August ist hier verlässlicher als einer im Januar, aber wasserdicht verpacken solltest Du trotzdem.
Der Winter

Der Winter ist der leiseste Vorteil der Region: mild, grün und kurz. Der Januar-Tagestiefstwert liegt an der Küste bei 4,2 Grad, es gibt im Schnitt nur 4,8 Frosttage im Jahr, und eine geschlossene Schneedecke liegt an gerade 1,2 Tagen. Winterreifen sind hier kein Thema, Schneeschaufeln auch nicht, und die Wiesen bleiben grün.
Die Kehrseite: Die Tage sind kurz, es ist oft grau, und alte Häuser sind schlechter gedämmt, als Du es aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kennst. Der Winter kostet hier weniger Nerven auf der Straße und mehr Heizöl im Tank; was das für die Nebenkosten heißt, steht auf der Seite Lebenshaltungskosten.
Der Regen und die trockene Ecke

Ja, es regnet in Irland. Die Frage ist, wo wie viel, und die Antwort verändert die Landkarte: Rosslare kommt auf 905,5 Millimeter im Jahr, das Landesmittel liegt bei 1.288 und der Westen deutlich darüber. Der Südosten ist die trockene Ecke der Insel, und innerhalb der Region bleibt die Küste trockener als das Binnenland.
| Ort | mm/Jahr |
|---|---|
| Rosslare Harbour | 880 |
| Bridgetown | 926 |
| Dunmore East | 928 |
| Rosslare Strand | 939 |
| Ardmore | 964 |
| Wexford | 993 |
| Tramore | 1.003 |
| Waterford | 1.008 |
| Enniscorthy | 1.025 |
| Gorey | 1.044 |
| New Ross | 1.077 |
| Dungarvan | 1.123 |
| Lismore | 1.186 |
| Kilmacthomas | 1.204 |
| Youghal | 1.037 |
| Mallow | 1.067 |
| Fermoy | 1.073 |
| Cobh | 1.085 |
| Cork | 1.088 |
| Midleton | 1.107 |
| Carrigaline | 1.168 |
| Kinsale | 1.185 |
Zum Vergleich: Irland im Mittel 1.288 mm, Galway 1.285 mm, Westport 1.453 mm, Killarney 1.510 mm.
Quelle: Met Éireann, Langzeitmittel 1991–2020, 1-km-Raster. Stand: abgerufen 22. und 23. August 2026.
Und der Rhythmus ist anders, als Kontinentaleuropäer ihn kennen: 175 Tage im Jahr fällt an der Küste messbarer Regen, aber selten lange am Stück. Der typische Regen ist ein Schauer, der durchzieht, nicht ein Tag, der ausfällt. Man plant hier nichts „wetterfest", man nimmt eine Jacke mit.
Die Sonne

Der Satz stammt nicht von uns, sondern von Met Éireann selbst: Der äußerste Südosten bekommt die meiste Sonne des Landes, im Frühsommer im Schnitt über sieben Stunden am Tag. Übers Jahr liegt die Küste bei 4,3 Stunden täglich, im Sommer bei 6,1. Die Iren nennen die Grafschaft Wexford den „sunny southeast", und die Messreihen geben ihnen recht.
Dazu kommt die Länge der Sommertage auf diesem Breitengrad: Im Juni wird es früh hell und erst nach zehn Uhr abends dunkel. Das Abendlicht nach der Schule ist einer der Gründe, warum Kinderalltag hier draußen stattfindet.
Stürme, offen benannt

Was wir nicht verschweigen: Irland liegt im Atlantikwetter, und der Winter bringt benannte Stürme. An der Südostküste gibt es im Schnitt 7,1 Sturmtage im Jahr. Met Éireann benennt die Stürme gemeinsam mit den Wetterdiensten Großbritanniens und der Niederlande und warnt in drei Stufen: Gelb, Orange, Rot. Ein roter Sturm heißt Schule zu, Fähren bleiben im Hafen, und gelegentlich fällt der Strom aus, auf dem Land eher als in der Stadt.
Das gehört zur Wahrheit über das Leben hier, und es ist zugleich planbar: Die Warnungen kommen Tage vorher, die Häuser sind für Wind gebaut, und ein Sturmtag im Jahr mit Kerzen und Kamin gehört für die meisten Familien eher in die Kategorie Erinnerung als in die Kategorie Katastrophe.
Der erste Schritt ist ein Gespräch
Ob die Region zu Deiner Familie passt, klärt kein Klimadiagramm. Ein Gespräch mit jemandem, der dort gelebt hat, schon eher.