Nachtrag vom 17. September 2026: Dieser Beitrag beschreibt das Verfahren nach der damals wie heute geltenden Fünfjahresregel. Am 9. September 2026 hat die irische Regierung beschlossen, ein Gesetz vorrangig entwerfen zu lassen, das daraus acht Jahre macht und Sprach-, Gesellschafts- und Selbsterhaltungsanforderungen einführt. In Kraft ist davon nichts.Was beschlossen wurde, steht im Beitrag vom 17. September.
Die Zahlen
Über 500.000 Pässe im ersten Halbjahr, mit Dublin, Cork und Antrim als den drei Herkunftsorten mit den meisten Anträgen, zusammen fast 370.000. Für ein Land mit 5,5 Millionen Einwohnern ist das viel, und der Grund liegt nicht nur in Irland.
Der irische Pass ist seit dem Brexit für Menschen mit irischen Vorfahren im Vereinigten Königreich attraktiv geworden, weil er die Unionsbürgerschaft zurückgibt. Antrim liegt in Nordirland, und dass es unter den drei stärksten Herkunftsorten steht, erklärt sich genau daraus.
Für einen Antragsteller bedeutet Volumen vor allem eines: Bearbeitungszeiten. Der Passdienst nennt Standardzeiten für Verlängerungen, die kurz sind. Für Erstanträge gelten längere Zeiten, weil die Identität und die Anspruchsgrundlage vollständig geprüft werden. Wer nach einer Einbürgerung seinen ersten irischen Pass beantragt, gehört in diese Kategorie.
Der Weg über die Abstammung
Neben der Einbürgerung nach fünf Jahren gibt es einen zweiten Weg zum irischen Pass, und er ist für manche Familien der schnellere: die Staatsbürgerschaft durch Abstammung.
| Konstellation | Folge |
|---|---|
| Ein Elternteil in Irland geboren | automatisch Staatsbürger, keine Eintragung nötig |
| Ein Großelternteil in Irland geboren | eintragungsfähig über das Foreign Births Register |
| Nur Urgroßeltern in Irland geboren | kein Anspruch |
| Bearbeitungszeit der Eintragung | derzeit rund zwölf Monate |
Quelle: Department of Foreign Affairs zum Passdienst und zum Foreign Births Register; Citizens Information zur Staatsbürgerschaft durch Abstammung. Stand: 20. Juli 2026.
Wer ein in Irland geborenes Elternteil hat, ist bereits Staatsbürger und muss sich nirgends eintragen lassen; er beantragt direkt einen Pass. Wer einen in Irland geborenen Großelternteil hat, muss sich zuerst in das Foreign Births Register eintragen lassen. Erst mit dieser Eintragung entsteht die Staatsbürgerschaft.
Die Generationenfalle
Und hier liegt die Regel, an der Familien scheitern. Der entscheidende Satz lautet: Die Staatsbürgerschaft aus der Eintragung wirkt ab dem Datum der Eintragung, nicht ab der Geburt.
Daraus folgt eine Kette. Wer sich eintragen lässt, kann seine Staatsbürgerschaft an seine Kinder weitergeben, aber nur an die, die nach seiner Eintragung geboren werden. Ein Kind, das vor der Eintragung des Elternteils zur Welt kam, leitet nichts ab, weil der Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt noch kein Staatsbürger war.
Bei einer Bearbeitungszeit von rund zwölf Monaten heißt das ganz praktisch: Wer im Jahr der Geburt seines Kindes mit dem Antrag beginnt, ist zu spät. Und wer eine Familienplanung hat, sollte die Eintragung vorziehen, auch wenn er selbst den Pass gar nicht braucht.
Wir haben diesen Punkt auf dieser Seite mehrfach, und wir wiederholen ihn, weil er der teuerste vermeidbare Fehler im ganzen Passthema ist. Er kostet nichts außer Vorlauf, und wer ihn übersieht, verschenkt den Anspruch einer ganzen Generation. Ausgeschrieben steht er unter Staatsbürgerschaft durch Abstammung.
Die offene Frage für Österreicher
Und ein Punkt, zu dem wir ausdrücklich keine Auskunft geben, weil wir keine belastbare Quelle dafür haben.
Nach § 27 des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes 1985 verliert die österreichische Staatsbürgerschaft, wer eine fremde auf Antrag erwirbt. Bei der Einbürgerung ist der Fall klar: Sie ist ein Antrag. Bei der Abstammung liegen die beiden Wege rechtlich verschieden. Wer ein in Irland geborenes Elternteil hat, erwirbt die Staatsbürgerschaft automatisch mit der Geburt, und ein Auslöser im Sinn des § 27 ist nicht erkennbar. Wer einen Großelternteil hat, erwirbt sie dagegen erst mit der Eintragung in das Register, und diese Eintragung wird auf Antrag vorgenommen.
Ob die FBR-Eintragung damit unter § 27 fällt, haben wir in keiner Quelle beantwortet gefunden. Wir subsumieren hier nicht. Für eine österreichische Familie mit irischen Großeltern ist das eine Frage mit erheblicher Tragweite, und sie gehört vor einen Anwalt, der eine verbindliche Auskunft einholt, und nicht in einen Wochenbeitrag. Für Deutsche und Schweizer stellt sich die Frage nicht, weil beide Länder Mehrstaatigkeit zulassen.
Was der Pass praktisch kann
Zur Einordnung, warum sich der Aufwand lohnt. Der irische Pass ist ein EU-Pass mit voller Freizügigkeit; für Schweizer ist das ein echter Zugewinn gegenüber dem Freizügigkeitsabkommen, für Deutsche und Österreicher eine Absicherung.
Die Besonderheit liegt bei der Common Travel Area: Irische Staatsbürger können im Vereinigten Königreich leben, arbeiten, studieren und Leistungen beziehen, ohne Aufenthaltserlaubnis und ohne das EU Settlement Scheme. Kein anderer EU-Pass leistet das. Die Einschränkung gehört dazu, weil sie den Wert relativiert: Das beruht nicht auf einem völkerrechtlichen Vertrag, sondern auf innerstaatlichem Recht beider Seiten und einem nicht bindenden Memorandum von 2019. Was das im Einzelnen bedeutet, steht unter Common Travel Area.
Und für die Kinder
Kinder haben in diesem Themenfeld eigene Regeln, und sie werden regelmäßig übersehen. Wer in Irland geboren wird, wird dadurch allein nicht automatisch Staatsbürger; das hängt an zusätzlichen Voraussetzungen am Aufenthalt der Eltern. Und bei der Einbürgerung laufen die Verfahren der Kinder nicht automatisch mit dem der Eltern, sondern müssen parallel betrieben werden.
Für eine Familie heißt das: Die Passfrage ist nie eine Frage für eine Person, sondern immer eine für alle Mitglieder gleichzeitig, mit unterschiedlichen Wegen für unterschiedliche Konstellationen. Was für Kinder gilt, steht unter Kinder.
Was Du daraus mitnimmst
Der Andrang auf irische Pässe ist hoch, und Erstanträge dauern länger als Verlängerungen. Wer über einen Großelternteil kommt, braucht die Eintragung ins Register, und die dauert rund ein Jahr.
Die Regel, die man sich merken sollte, ist die Generationenfalle: Die Staatsbürgerschaft aus der Eintragung wirkt ab dem Tag der Eintragung. Wer Kinder plant, trägt sich vorher ein. Es kostet nichts außer Zeit, und es ist der einzige Fehler in diesem Feld, der sich später gar nicht mehr reparieren lässt.
Was der Antrag praktisch verlangt
Für die Eintragung in das Foreign Births Register braucht es lückenlose Urkunden über drei Generationen: die Geburtsurkunde des in Irland geborenen Großelternteils, die des dazwischenliegenden Elternteils und die eigene, dazu Heiratsurkunden, wo sich Namen geändert haben, und beglaubigte Kopien der Ausweise.
Der Aufwand liegt in der Beschaffung, nicht im Formular. Irische Urkunden bekommt man über das zentrale Register, deutsche, österreichische und Schweizer über die jeweiligen Standesämter beziehungsweise Zivilstandsämter. Wo eine Generation im Ausland geheiratet oder mehrfach den Namen gewechselt hat, wird es mühsam.
Deshalb der praktische Rat: Mit der Urkundensuche beginnen, bevor man den Antrag stellt, und die Bearbeitungszeit von rund zwölf Monaten erst danach zählen. Wer die Unterlagen unvollständig einreicht, verlängert die Wartezeit um genau die Zeit, die er sich am Anfang gespart hat.
Wann sich der Weg über die Abstammung lohnt
Er lohnt sich immer, wenn er offensteht, und zwar unabhängig vom Umzug. Wer einen in Irland geborenen Großelternteil hat, kann sich eintragen lassen, ohne je nach Irland zu ziehen, ohne Aufenthaltsvoraussetzung und ohne die fünf Jahre der Einbürgerung.
Und er lohnt sich für die nächste Generation, weil die Eintragung die Voraussetzung dafür ist, dass die eigenen Kinder den Anspruch überhaupt bekommen. Wer das Fenster verpasst, verpasst es für die Familie und nicht nur für sich.
Der Satz, den man sich merken sollte
Die Eintragung ins Register wirkt ab dem Tag der Eintragung, nicht ab der Geburt. Alles Weitere in diesem Beitrag folgt aus diesem einen Satz.
Was das Volumen für die Planung heißt
Bei einer halben Million Anträge in sechs Monaten sind Wartezeiten die Regel und keine Panne. Wer eine Reise plant, für die der irische Pass gebraucht wird, sollte ihn nicht in den Monaten vor der Reise beantragen.
Und wer beide Pässe hat, hat den Vorteil, dass er in der Wartezeit weiterreisen kann. Für Österreicher ohne Beibehaltungsbewilligung entfällt genau dieser Vorteil, weil der bisherige Pass mit dem Erwerb der irischen Staatsbürgerschaft seine Grundlage verliert. Das ist ein weiterer, sehr praktischer Grund, die Bewilligung frühzeitig zu klären.
Warum so viele Menschen einen irischen Pass wollen
Die Zahl erklärt sich nicht aus Irland allein. Seit dem Brexit hat der irische Pass für Menschen mit irischen Vorfahren im Vereinigten Königreich eine Bedeutung bekommen, die er vorher nicht hatte: Er gibt die Unionsbürgerschaft zurück, mit Freizügigkeit in siebenundzwanzig Staaten.
Dass Antrim unter den drei stärksten Herkunftsorten steht, ist der sichtbarste Beleg dafür. In Nordirland haben viele Menschen Anspruch auf beide Pässe, und ein erheblicher Teil hat den irischen nach 2016 beantragt.
Für einen Antragsteller aus dem deutschsprachigen Raum heißt das vor allem eines: Er steht in einer Warteschlange, deren Länge nichts mit ihm zu tun hat. Das ist kein Grund, es zu lassen, und ein Grund, früh anzufangen.
Und der letzte praktische Hinweis: Wer die Eintragung betreibt, sollte Kopien aller eingereichten Unterlagen behalten. Sie werden bei jedem späteren Schritt wieder gebraucht, beim Passantrag, bei der Eintragung der eigenen Kinder und in jedem Fall, in dem eine Behörde die Abstammungskette nachvollziehen will.
Quellen
- Department of Foreign Affairs, Passdienst und Foreign Births Register, ireland.ie.
- Citizens Information, irische Staatsbürgerschaft durch Abstammung und durch Geburt, citizensinformation.ie.
- §§ 27 und 29 Staatsbürgerschaftsgesetz 1985, ris.bka.gv.at.
- Memorandum of Understanding zur Common Travel Area, Mai 2019.
