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Der Pass

Die Zusage ist da: was zwischen Bescheid und irischem Pass noch passiert

Vergangene Woche fanden in Killarney wieder Einbürgerungsfeiern im großen Format statt. Wer den Bescheid im Briefkasten hat, ist damit noch kein Staatsbürger und hat noch keinen Pass. Dazwischen liegen vier Schritte, und einer davon hat für Österreicher längst stattgefunden haben müssen.

Ein Mann mit Schiebermütze spielt drinnen Geige.

Nachtrag vom 17. September 2026: Dieser Beitrag beschreibt das Verfahren nach der damals wie heute geltenden Fünfjahresregel. Am 9. September 2026 hat die irische Regierung beschlossen, ein Gesetz vorrangig entwerfen zu lassen, das daraus acht Jahre macht und Sprach-, Gesellschafts- und Selbsterhaltungsanforderungen einführt. In Kraft ist davon nichts.Was beschlossen wurde, steht im Beitrag vom 17. September.

Der Bescheid ist keine Einbürgerung

Was nach der Prüfung kommt, ist ein Schreiben, das die Bewilligung in Aussicht stellt und zur Zahlung der Zertifikatsgebühr auffordert. Erst mit dieser Zahlung, der Zeremonie und der dort abgelegten Treueerklärung wird man irischer Staatsbürger. Der Tag der Einbürgerung ist der Tag der Zeremonie, nicht der Tag des Briefes.

Das ist kein juristisches Detail, sondern hat Folgen. Bis zur Zeremonie gilt der bisherige Status; Fristen, die an die Staatsbürgerschaft anknüpfen, laufen erst danach. Und wer zwischen Bescheid und Zeremonie umzieht, muss die Adressänderung mitteilen, sonst kommt die Einladung nicht an.

Die vier Schritte nach der Zusage
SchrittWas zu tun ist
BescheidZertifikatsgebühr zahlen, bis zu 950 Euro
EinladungTermin und Ort der Zeremonie abwarten
ZeremonieTreueerklärung ablegen, Zertifikat erhalten
Reisepasseigener Antrag beim Passamt, mit dem Zertifikat

Quelle: Immigration Service Delivery zum Ablauf nach der Bewilligung; Department of Foreign Affairs zum Passantrag; § 27 Staatsbürgerschaftsgesetz 1985. Stand: 20. April 2026.

Wie eine Zeremonie abläuft

Es sind Sammelveranstaltungen mit hunderten, teils tausenden Teilnehmern, und sie finden seit Jahren überwiegend in Killarney statt, in einem Saal, der diese Größenordnung fasst. Für April 2026 waren dort wieder zwei Tage angesetzt.

Der Ablauf ist kurz und förmlich: eine Ansprache, die gemeinsame Erklärung von Treue zur Nation und Loyalität zum Staat vor einem Richter, die Übergabe der Zertifikate. Angehörige dürfen mit, Kinder auch. Wer nicht kommen kann, wird einem späteren Termin zugeteilt; ein Ersatz per Post ist die Ausnahme und wird nicht auf Wunsch gewährt.

Praktisch heißt das: Ein Termin in Killarney bedeutet für eine Familie aus dem Südosten eine Fahrt von zwei bis drei Stunden je Richtung, je nach Ort. Wer aus Wexford kommt, plant eine Übernachtung ein, weil die Veranstaltungen vormittags beginnen.

Der Pass ist ein eigener Antrag

Mit dem Zertifikat ist man Staatsbürger, aber ohne Dokument. Der erste irische Reisepass wird gesondert beantragt, beim Passamt, unter Vorlage des Einbürgerungszertifikats. Für Erstanträge gibt es ein eigenes Verfahren mit strengeren Nachweisanforderungen als bei einer Verlängerung, und die Bearbeitung dauert entsprechend länger als die beworbenen Standardzeiten.

Wer den Pass für eine konkrete Reise braucht, sollte deshalb nach der Zeremonie nicht warten. Und wer bereits einen deutschen oder Schweizer Pass hat, hat es leichter: Er reist weiter mit dem alten, während der neue bearbeitet wird. Wer Österreicher war, hat diese Möglichkeit unter Umständen nicht mehr, und damit sind wir beim eigentlichen Punkt dieses Beitrags.

Der Schritt, der für Österreicher vorher liegen musste

Nach § 27 des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes 1985 verliert die österreichische Staatsbürgerschaft von Gesetzes wegen, wer auf Antrag eine fremde erwirbt. Von Gesetzes wegen heißt: automatisch, ohne Bescheid, ohne Mitteilung, ohne dass jemand etwas tun müsste. Der Verlust tritt in dem Moment ein, in dem der Erwerb wirksam wird, also mit der Zeremonie.

Abwenden lässt sich das nur durch eine vorher erteilte Beibehaltungsbewilligung. Vorher heißt vorher: Eine nachträgliche Genehmigung gibt es nicht, und ein Irrtum über die Rechtsfolge hilft nicht. Die Bewilligung wird restriktiv erteilt, sie erlischt nach zwei Jahren, und die Praxis unterscheidet sich zwischen den Bundesländern.

Für die Planung ergibt sich daraus eine unangenehme Reihenfolge. Die Bewilligung muss vorliegen, bevor die Zeremonie stattfindet, und der Termin der Zeremonie wird einem zugeteilt, nicht von einem gewählt. Wer den Antrag auf Beibehaltung erst stellt, wenn die irische Zusage kommt, kann in Zeitnot geraten. Und § 29 erstreckt den Verlust auf minderjährige Kinder, was bedeutet, dass die Bewilligung für alle Beteiligten geklärt sein muss, nicht nur für den Antragsteller.

Deutschland und die Schweiz haben dieses Problem nicht. Deutschland lässt Mehrstaatigkeit seit dem 27. Juni 2024 allgemein zu, die Schweiz seit 1992. Ein Deutscher und ein Schweizer verlassen die Zeremonie mit zwei Staatsangehörigkeiten, ein Österreicher ohne Bewilligung mit einer. Wir schreiben diese drei Fälle getrennt, weil ein zusammengefasster Satz für den österreichischen Leser die teuerste Ungenauigkeit dieser ganzen Site wäre.

Was der Pass dann kann

Der irische Pass ist ein EU-Pass mit voller Freizügigkeit. Für Deutsche und Österreicher ist das nichts Neues; für Schweizer ist es ein echter Zugewinn, weil das Freizügigkeitsabkommen einen anderen und engeren Rechtekreis eröffnet als die Unionsbürgerschaft.

Die Besonderheit liegt woanders: Über die Common Travel Area haben irische Staatsbürger im Vereinigten Königreich Rechte, die kein anderer EU-Bürger dort hat, nämlich leben, arbeiten, studieren und Leistungen beziehen ohne Aufenthaltserlaubnis und ohne das EU Settlement Scheme. Die Einschränkung gehört dazu: Das beruht nicht auf einem völkerrechtlichen Vertrag, sondern auf innerstaatlichem Recht beider Seiten und einem nicht bindenden Memorandum aus dem Jahr 2019. Was daraus im Einzelnen folgt, steht unter Common Travel Area.

Und für die Kinder

Kinder werden über einen eigenen Antrag eingebürgert, mit einer anderen Gebührenstruktur. Wer in Irland geboren wird, wird dadurch allein nicht automatisch Staatsbürger; dafür müssen zusätzliche Voraussetzungen am Aufenthalt der Eltern erfüllt sein.

Bei den Kosten unterscheidet die Behörde nach Person: Die Zertifikatsgebühr beträgt 950 Euro für Erwachsene und 200 Euro für Minderjährige; für anerkannte Flüchtlinge und Staatenlose entfällt sie. Für eine fünfköpfige Familie summiert sich der Schritt zwischen Bescheid und Zeremonie damit auf einen vierstelligen Betrag, zusätzlich zu den Antragsgebühren, die vorher schon angefallen sind, und er gehört von Anfang an in die Planung des Verfahrens.

Ein Punkt, der Familien regelmäßig überrascht: Kinder nehmen nicht automatisch an der Zeremonie der Eltern teil und werden nicht automatisch mit eingebürgert. Ihr Verfahren läuft parallel und muss parallel betrieben werden. Wer das übersieht, steht mit einem irischen Pass für sich und deutschen, österreichischen oder Schweizer Pässen für die Kinder da, und muss das Verfahren für sie neu aufsetzen. Was für Kinder gilt, steht unter Einbürgerung.

Was Du daraus mitnimmst

Zwischen Zusage und Pass liegen Gebühr, Zeremonie, Zertifikat und Passantrag, und das dauert Monate. Für Deutsche und Schweizer ist das ein Verwaltungsvorgang. Für Österreicher ist es der Endpunkt einer Entscheidung, die Jahre vorher hätte getroffen werden müssen, und der Termin dafür ist die Beibehaltungsbewilligung, nicht der irische Antrag.

Wie lange das dauert

Zwischen Bescheid und Zeremonie liegen in der Praxis Monate, weil die Zeremonien in Wellen stattfinden und die Behörde nach Eingang der Zertifikatsgebühr zuteilt. Zwischen Zeremonie und erstem Pass liegen weitere Wochen, weil ein Erstantrag strenger geprüft wird als eine Verlängerung.

Wer also den Bescheid im Frühjahr bekommt, hat mit realistischer Erwartung im selben Jahr den Pass, aber nicht im selben Quartal. Für eine Reiseplanung heißt das: Der irische Pass ist kein Dokument, mit dem man in acht Wochen rechnet, und wer im Herkunftsland einen gültigen Pass hat, sollte ihn nicht vorschnell abgeben oder ablaufen lassen.

Ein praktischer Nebenpunkt, den viele übersehen: Zwischen Zeremonie und Pass ist man irischer Staatsbürger ohne irisches Reisedokument. Für Reisen innerhalb der EU genügt der bisherige Ausweis, sofern man ihn noch hat. Für alles andere ist das Zertifikat allein kein Reisedokument.

Was Familien dabei falsch planen

Drei Muster, die in der Praxis regelmäßig auftreten.

Der Antrag wird zu spät gestellt. Wer die fünf Jahre voll hat und erst dann anfängt, Nachweise zu sammeln, verliert Monate. Die Nachweisführung ist der zeitaufwendigste Teil und lässt sich vom ersten Monat an nebenbei erledigen.

Die Kinder werden vergessen. Ihr Verfahren läuft nicht automatisch mit dem der Eltern, und wer es nicht parallel betreibt, steht mit einem irischen Pass für sich und alten Pässen für die Kinder da.

Die österreichische Bewilligung wird zu spät beantragt. Sie muss vorliegen, bevor die Zeremonie stattfindet, und der Termin der Zeremonie wird zugeteilt, nicht gewählt. Wer erst auf die irische Zusage wartet, gerät in Zeitnot, und die Bewilligung erlischt außerdem nach zwei Jahren, ist also auch nicht beliebig früh sinnvoll. Dieses Fenster richtig zu treffen, ist die eigentliche Planungsaufgabe für österreichische Familien.

Ein praktischer Hinweis zum Zertifikat

Das Einbürgerungszertifikat ist ein Originaldokument, das bei jedem späteren Antrag gebraucht wird, vom Pass über die Ausweisverlängerung bis zu Nachweisen gegenüber ausländischen Stellen. Ersatzausfertigungen sind möglich, aber aufwendig. Es gehört an den Ort, an dem auch Geburtsurkunden liegen, und nicht in den Ordner mit dem Schriftverkehr.

Und ein Hinweis zur Terminplanung: Die Zeremonien finden an Werktagen statt und beginnen vormittags. Für Familien mit schulpflichtigen Kindern heißt das eine Fehlzeit, die man der Schule ankündigt. Irische Schulen gehen mit diesem Anlass erfahrungsgemäß entspannt um; angekündigt werden muss er trotzdem.

Was Du daraus mitnimmst

Der Bescheid ist ein Zwischenschritt, die Zeremonie ist der Rechtsakt, und der Pass ist ein eigener Antrag danach. Rechne mit Monaten, nicht mit Wochen, und gib Deinen bisherigen Pass in dieser Zeit nicht auf.

Für Deutsche und Schweizer ist der Weg damit beschrieben. Für Österreicher steht am Anfang eine ganz andere Entscheidung, und sie muss Jahre vorher getroffen werden. Wer sie nicht trifft, verliert an dem Tag, an dem er den irischen Pass gewinnt, den österreichischen, und die Kinder unter Umständen mit.

Quellen

  • Immigration Service Delivery, Ablauf nach der Bewilligung, Zertifikatsgebühr und Zeremonien, irishimmigration.ie.
  • Department of Foreign Affairs, Erstantrag auf einen irischen Reisepass, ireland.ie.
  • §§ 27 und 29 Staatsbürgerschaftsgesetz 1985, ris.bka.gv.at.
  • Staatsangehörigkeitsgesetz in der Fassung des StARModG vom 27. Juni 2024, gesetze-im-internet.de.
  • Bürgerrechtsgesetz, fedlex.admin.ch.

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