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Steuern

Was in Irland zum 1. Januar 2026 gilt

Der 1. Januar ist in Irland der Stichtag, an dem sich das meiste bewegt. Fünf Änderungen betreffen eine zuziehende Familie unmittelbar, und eine sechste betrifft sie erst im Juli.

Eine schmale Landstraße im Raureif, die Hecken links und rechts weiß überzogen, kahle Bäume und eine blasse tief stehende Wintersonne über den Feldern.

Die fünf Änderungen zum Stichtag

Was sich zum 1. Januar 2026 ändert
BereichNeuer Stand
Mindestlohn14,15 Euro je Stunde
USC, Obergrenze des 2-Prozent-Bandes28.700 Euro
Fondsbesteuerung, irischer Sondersatz38 statt 41 Prozent
Local Property Taxneue Bewertung, Periode 2026 bis 2030
Mehrwertsteuer auf Strom und Gas9 Prozent, verlängert bis 31.12.2030
Mehrwertsteuer auf Speisen und Gastronomie9 statt 13,5 Prozent, aber erst ab 1. Juli 2026

Quelle: Citizens Information, Budget 2026; Revenue Commissioners; Department of Finance, gov.ie. Stand: 5. Januar 2026.

Was in dieser Liste fehlt, ist ein Einkommensteuerpaket. Budget 2026 hat die Tarifstufen und die Steuergutschriften nicht angefasst. Für Arbeitnehmer bedeutet das eine kalte Progression im üblichen Sinn: Wer eine Lohnerhöhung bekommt, zahlt anteilig mehr, weil die Grenzen stehen geblieben sind.

Der Mindestlohn und warum er hier steht

14,15 Euro je Stunde klingt nach einer Zahl für Arbeitnehmer, und der Leser dieser Seite lebt in der Regel nicht von einem irischen Stundenlohn. Er bezahlt aber welche. Handwerker, Kinderbetreuung, Haushaltshilfe, Gartenpflege, die Reinigungskraft im Ferienhaus: All das bewegt sich in einem Markt, dessen Untergrenze zum 1. Januar um 65 Cent gestiegen ist. Wer im Südosten ein Bestandshaus kauft und saniert, wird das an den Angeboten sehen.

Die Anhebung ist zugleich der Grund für die zweite Zeile in der Tabelle. Das 2-Prozent-Band des Universal Social Charge wurde auf 28.700 Euro angehoben, damit ein Vollzeitbeschäftigter zum Mindestlohn nicht in den höheren USC-Satz rutscht. Es ist eine technische Nachführung, keine Entlastung.

Der Fondssatz, den viele übersehen

Der irische Steuersatz auf Erträge aus bestimmten Investmentfonds fällt von 41 auf 38 Prozent. Das ist die Umsetzung einer Maßnahme aus dem Finance Act 2025, und sie ist für Leser mit ETF-Beständen der praktisch relevanteste Punkt dieses Stichtags.

Wie schon Ende Dezember an dieser Stelle gesagt: Die Achtjahresregel mit ihrer fiktiven Veräußerung bleibt. Ein Fondsanteil gilt alle acht Jahre als verkauft, auch wenn er nicht verkauft wurde, und auf den rechnerischen Gewinn wird der Satz angewandt. Wer aus Deutschland kommt, kennt eine entfernt verwandte Konstruktion in Gestalt der Vorabpauschale; die irische Variante ist deutlich härter, weil sie nach acht Jahren den gesamten Wertzuwachs erfasst und nicht nur eine gedachte Mindestrendite. Der Vergleich der beiden Systeme gehört in eine Einzelfallprüfung und nicht in einen Wochenbeitrag.

Die Grundsteuerrechnung, die im Januar kommt

2026 ist das erste Jahr der neuen Bewertungsperiode für die Local Property Tax. Bewertungsstichtag war der 1. November 2025, und der Wert, den ein Eigentümer für diesen Tag angesetzt hat, bestimmt seine Grundsteuer bis 2030. Die Bänder wurden dabei um 20 Prozent verbreitert, damit die gestiegenen Hauspreise nicht automatisch alle in ein höheres Band schieben.

Wer im Lauf des Jahres 2026 ein Haus in Irland kauft, tritt in die Bewertung des Verkäufers ein. Das ist einer der Punkte, die ein Solicitor beim Kauf prüft, und einer der wenigen, bei denen ein Käufer aus dem Ausland gar nichts selbst tun muss. Die Bänder und Beträge im Einzelnen stehen unter Nebenkosten; wir kommen in zwei Wochen ausführlich darauf zurück.

Die Mehrwertsteuer: eine Zeile, die im Juli wirkt

Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Speisen, Gastronomie und Friseure von 13,5 auf 9 Prozent ist beschlossen, tritt aber erst am 1. Juli 2026 in Kraft. Bis dahin ändert sich für den Gast nichts.

Bereits verlängert ist dagegen der ermäßigte Satz von 9 Prozent auf Strom und Gas, und zwar bis Ende 2030. Für einen Haushalt mit einem schlecht gedämmten Bestandshaus im irischen Winter ist das der praktisch wertvollere der beiden Punkte, auch wenn er als bloße Verlängerung durch die Berichterstattung gerutscht ist.

Was gerade nicht passiert ist

Fast wichtiger als die Liste der Änderungen ist die Liste dessen, was stehen geblieben ist, denn genau daran hängen die Entscheidungen unserer Leser.

Die Stamp Duty auf Wohnimmobilien bleibt bei einem Prozent bis zu einer Million Euro. Die Freibeträge der Capital Acquisitions Tax bleiben bei 400.000 Euro von Eltern an ein Kind, 40.000 Euro in der zweiten und 20.000 Euro in der dritten Gruppe, der Satz bei 33 Prozent. Das Regime für nicht domizilierte Personen bleibt unverändert; der Finance Act 2025 enthält dazu nichts. Und der Körperschaftsteuersatz von 12,5 Prozent auf Handelseinkünfte steht ebenfalls unverändert.

Vier Zahlen, die sich nicht bewegt haben, sind für eine Umzugsplanung mehr wert als ein Dutzend, die sich um Nachkommastellen verschoben haben. Planbarkeit ist ein eigener Wert, und Irland liefert sie in diesen Punkten seit Jahren.

Die Termine des Jahres

Damit Du weißt, wann sich in Irland überhaupt etwas bewegen kann: Der Haushalt wird traditionell im Oktober vorgestellt, das zugehörige Gesetz durchläuft den Oireachtas bis Ende Dezember und tritt überwiegend zum 1. Januar in Kraft. Die Grundsteuer folgt einem eigenen Zyklus mit einem Bewertungsstichtag alle paar Jahre. Der Mietrechtsumbau, der aus den bisherigen Rent Pressure Zones ein landesweites System machen soll, ist für den 1. März 2026 angekündigt. Die Mehrwertsteuersenkung für Speisen und Gastronomie greift zum 1. Juli 2026.

Für eine Familie, die 2026 zieht, ergibt sich daraus ein einfacher Merksatz: Wer im ersten Halbjahr kauft, trifft auf ein stabiles Steuerbild; wer sich vom Mietmarkt abhängig macht, trifft auf ein Regelwerk, das sich zum 1. März ändert. Beides spricht für dieselbe Reihenfolge, die auf dieser Seite ohnehin empfohlen wird.

Und was in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum selben Stichtag gilt

Weil ein Umzug immer zwei Steuerrechte berührt, gehört hierher auch die Gegenseite. Drei Punkte, jeweils dem richtigen Land zugeordnet, ohne Verallgemeinerung:

Deutschland. Seit dem 1. Januar 2025, also seit einem Jahr, erfasst die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG auch Anteile an Investmentvermögen und damit ETF, wenn der Steuerpflichtige mindestens ein Prozent der ausgegebenen Anteile hält oder die Anschaffungskosten mindestens 500.000 Euro betragen. Für einen Wegzug innerhalb der EU und des EWR ist eine Stundung von sieben Jahren gegen Sicherheitsleistung vorgesehen. Irland ist EU, das ist hier der entscheidende Punkt.

Österreich. Die österreichische Wegzugsbesteuerung kennt für den Wegzug in einen EU- oder EWR-Staat ein Ratenzahlungskonzept. Sie ist mit der deutschen Regelung weder in der Systematik noch in den Schwellen deckungsgleich, und wer sie sich mit deutschem Vorwissen zurechtlegt, liegt falsch.

Schweiz. Die Schweiz kennt keine Wegzugsbesteuerung nach kontinentalem Muster für private Kapitalgewinne, weil sie private Kapitalgewinne im Grundsatz ohnehin nicht besteuert. Dafür stellen sich beim Wegzug ganz andere Fragen, insbesondere rund um die zweite Säule und die Säule 3a.

Drei Länder, drei Systeme, drei Ergebnisse. Diese Seite beschreibt sie nebeneinander und rechnet sie nicht zusammen; die Anwendung auf einen konkreten Fall ist Beratung und nicht Lektüre.

Was in den nächsten Wochen ansteht

Die Grundsteuerbescheide für 2026 gehen im Januar heraus. Die Jahresbilanz von Met Éireann für 2025 kommt Anfang Januar und beantwortet die Frage, wie das erste volle Jahr nach den Umzugsplänen vieler Leser wettertechnisch tatsächlich war. Ende Januar folgen die Zahlen zum Wohnungsbau 2025. Zu allen dreien werden wir hier ausführlicher.

Drei Begriffe, die auf jeder irischen Lohnabrechnung stehen

Weil in diesem Beitrag zweimal vom USC die Rede war, hier die Einordnung. Eine irische Abrechnung kennt drei Abzüge: die Income Tax mit zwei Sätzen, den Universal Social Charge als eigene Abgabe auf nahezu das gesamte Einkommen mit mehreren Bändern, und PRSI, die Sozialversicherung, aus der Rente, Arbeitslosengeld und weitere Leistungen finanziert werden. Es gibt daneben keine Kirchensteuer, keinen Solidaritätszuschlag und keine getrennten Beiträge zu Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung wie in Deutschland oder Österreich, und auch keine Aufteilung in Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuer wie in der Schweiz. Das Bild ist einfacher, die Gesamtbelastung auf Erwerbseinkommen liegt im mittleren Bereich aber höher, als das niedrige Körperschaftsteuerniveau des Landes vermuten lässt.

Was eine zuziehende Familie im Januar praktisch tut

Zum Schluss die Übersetzung der Stichtagsliste in Handlungen, weil eine Steueränderung ohne einen Schritt daneben folgenlos bleibt.

Das irische Steuerjahr ist das Kalenderjahr. Es beginnt am 1. Januar und endet am 31. Dezember, ohne abweichende Wirtschaftsjahre für Privatpersonen und ohne die Möglichkeit, das zu verschieben. Wer im Lauf eines Jahres zuzieht, hat für dieses Jahr also ein angebrochenes irisches Steuerjahr und zugleich ein angebrochenes im Herkunftsland. Die Frage, welcher Staat welchen Teil des Jahres besteuert, beantwortet nicht das Gefühl, sondern das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen, und Deutschland, Österreich und die Schweiz haben je ein eigenes mit Irland.

Die Ansässigkeit entsteht durch Anwesenheit, nicht durch Anmeldung. Irland stellt auf Tage ab. Wer die Schwelle überschreitet, ist ansässig, auch wenn er sich nirgends gemeldet hat; wer sie nicht überschreitet, ist es nicht, auch wenn er ein Haus gekauft hat. Was das im Einzelnen bedeutet, steht unter Steuern.

Die PPS-Nummer und die Registrierung bei Revenue sind zwei verschiedene Vorgänge. Die eine ist die Personennummer, die andere die steuerliche Erfassung. Beides gehört in die ersten Wochen, weil daran fast alles Weitere hängt, vom Bankkonto über den Führerscheinumtausch bis zur Krankenversicherung.

Und die Grundsteuer läuft ohne Dich weiter. Wer 2026 kauft, übernimmt die Bewertung des Verkäufers für die laufende Periode. Der erste eigene Stichtag kommt erst mit dem nächsten Bewertungstermin.

Quellen

  • Citizens Information, Budget 2026, Übersicht der Maßnahmen, citizensinformation.ie.
  • Revenue Commissioners, USC-Sätze und Bänder 2026 sowie Mehrwertsteuersätze, revenue.ie.
  • Department of Finance, gov.ie, Pressemitteilungen zu Budget 2026 und zur Local Property Tax.
  • Finance Act 2025 (No. 18 of 2025), irishstatutebook.ie.
  • § 6 Außensteuergesetz und § 19 Investmentsteuergesetz, gesetze-im-internet.de.

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